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Weihnachten in Trauer

In der besinnlichen Zeit vermissen wir unsere Liebsten schmerzlichst. Die Tage werden kürzer, die Sonne geht später auf und unter und die Laune wird getrübter. Weihnachten ist das Fest der Liebe, an dem die ganze Familie zusammen kommt. Verlässt ein geliebter Mensch diese Welt, so wird bei solchen Festen, die Lücke die er hinterlassen hat nochmal deutlich. Auch fehlt uns oft die Lust und die Kraft Weihnachten überhaupt zu feiern. Alles erscheint völlig sinnlos und leer. Wir haben keine Lust das Haus zu schmücken, möchten keine Plätzchen backen und einen Baum kaufen auch nicht. Eigentlich wollen wir nur, dass diese Tage ganz schnell vorüber gehen. Oftmals sind diese Tage auch besonders hart, wenn man seinen Partner verloren hat. Die Kinder sind aus dem Haus und plötzlich ist man an Weihnachten alleine oder zum teil alleine. Man fühlt sich einsam und verlassen. Wir Trauernden erleben an solchen Tagen ein richtiges Gefühlskarussel. Von Einsamkeit, Verzweiflung, Wut und glücklich sein, ist alles mit dabei. Wir sind immernoch in mitten des Trauerprozesses. Und all diese Gefühle sind in Ordnung. Geh kleine Schritte, habe nicht zu viele Erwarungen an dich und mach dir keinen großen Druck. Du darfst auch an Weihnachten traurig sein! Trauer ist Liebe, sie zeigt wie sehr du den Verstorbenen geliebt hast und wie sehr er dir nun fehlt. Besuche das Grab, teile dem Verstorbenen deine Gedanken und Gefühle mit. ALternativ kannst du auch alles in einem Brief niederschreiben. Schaffe eine Verbundenheit zu dem Verstorbenen, integriere ihn in die Festtage ein. Verbringe die Festtage mit Menschen die dir gut tun. Die dich auffangen und denen du dich öffnen kannst. Such dir einen Fels in der Brandung, an den du dich klammerst, wenns zu arg wird. Das kann eine gute Freundin sein oder ein Ort, der dir gut tut. Integriere neue Rituale in bereits bestehende. Ihr geht an Heiligabend in die Kirche? Dann zünde nach dem Gottesdienst eine Gedenkkerze an oder entzünde eine auf dem Grab. Du kannst auch einen Tannenzweig deines Weihnachtsbaumes auf den Friedhof bringen und auf das Grab legen. Ein Gedenkplatz am gedeckten Weihnachtstisch ist auch eine tolle Idee um die Lücke zu schließen, die er hinterlassen hat. Es gibt Christbaumkugeln die du gravieren lassen kannst. Dadurch ist der Verstorbene unterm Weihnachtsbaum bei dir. Ich hoffe, mein Beitrag hilft dir etwas durch diese sehr emotionale Zeit hinduch.

Wie habe ich meiner Tochter den Tod erklärt

Das erste Mal bewusst mit dem Tod konfrontiert wurde unsere Maus mit 5 Jahren, damals starb ihr geliebtes Kaninchen Pina. Die Kleine ist aus dem Kaninchengehege ausgebüxt in dem sie den Maschendraht durchgebissen hat. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass dies überhaupt möglich ist. Sie hoppelte zur Hauptstraße und bekam dort einen tödlichen Schrecken, morgens klingelte eine Nachbarin und fragte ob es unser Kaninchen ist, welches da an der Straße liegt.

Mein Mann ist dann rausgegangen und hat nachgesehen, die arme Maus, lag völlig unversehrt aufm dem Gehweg, ist also wortwörtlich an einem tödlichen Schrecken gestorben. Wir haben sie in ein Tuch eingewickelt und sie gemeinsam im Garten bestattet. So hatte unsere Tochter auch die Möglichkeit sich von ihrem Kaninchen zu verabschieden.

Das zweite Mal mit dem Tod konfrontiert wurde sie, als ihr Uropa 2016 nach langer Krankheit verstorben ist. Damals war sie gerade 6 Jahre alt. Er ist am zweiten Weihnachtsfeiertag friedlich für immer eingeschlafen. Er durfte den Tod sterben, den er sich so sehr gewünscht hatte. Aufgrund seines COPDS und Lungenkrebses, hätte es auch ein ganz anderer sein können. Wir waren am 24.12. alle bei meinen Eltern, nur mein Papa war die meiste Zeit bei meiner Oma und meinem Opa, weil wir wussten, es würde bald zu Ende sein.

Unserer Tochter haben wir an dem Tag noch nichts davon gesagt, wir wollten das sie ein schönes Weihnachtsfest hat. Am nächsten Morgen kam mein Papa dann nach Hause und erzählte was passiert ist. Auch sie erfuhr so vom Tod ihres Uropas. Wir haben ihr alle ihre Fragen offen und ehrlich beantwortet und gemeinsam geweint. Es war eine schöne und geborgene Situation, alle gemeinsam. Wir besprachen, wann er vom Bestatter abgeholt wird und wie es dann weitergeht. Im Januar wurde er dann in einem Kolumbarium bestattet, in einer schönen Urnenwand hinter Glas steht seine Urne und wir dürfen jederzeit etwas hinbringen. Sie hatte natürlich gerade zur Urne ganz viele Fragen, z.B. ob es dem Ticktack-Opa wehgetan hat verbrannt zu werden und wie es jetzt in der Urne aussieht. Diese Fragen haben wir ihr kindgerecht erklärt und sie auch mit zur Bestattung genommen. Wir haben ihr erzähl was da passiert und dass sie ruhig weinen darf, wenn sie das möchte. Es gehört dazu und ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Dann habe ich im September 2017 erfahren, dass unser Baby in meinem Bauch verstorben ist. Unsere Tochter wusste sehr früh Bescheid, dass ich wieder schwanger war. Erstens litt ich unter einer sehr starken Form der Schwangerschaftsübelkeit und zweitens sah man auch schon ab der 9. Woche, dass sich da jemand ausgebreitet hat. Leider war die Schwangerschaft in der 12. Schwangerschaftswoche vorbei… Auch dies erzählten wir ihr sehr liebevoll. Wir erzählten ihr, dass ihr Geschwisterchen nicht gesund war und deshalb beschlossen hatte zu gehen. Sie war natürlich sehr traurig darüber, aber sie sagte auch etwas, was mich tief berührt hat. Sie sagte: “Mama, das ist doch nicht schlimm. Mein Geschwisterchen wird jetzt wieder gesund und kommt dann einfach wieder.” Ich fand diese Worte von meiner 7-jährigen so tröstlich und wunderschön.

Unser Baby wurde mit anderen Babys sammelbestattet, leider war die Bestattung morgens und sie musste zur Schule, aber wir gingen mittags mit ihr zu dem Sternengrab und sie legte ihrem Geschwisterchen auch was hin. Wir gehen heute noch oft an die Gräber und bringen Blumen und neue Kuscheltiere hin. Sie erzählt auch oft mit mir darüber, dass sie Opa, Uropa, Pina und ihre Geschwister vermisst. Nach dem unser Baby starb, starben auch noch 2 Kater von uns, auch mit diesen Verlusten kam sie zurecht, sie weinte, war wütend und spricht noch oft von ihnen. Sie weiß, dass sie bei uns einen Raum hat dafür, dass wir für sie da sind und da gemeinsam durchgehen.

Gegen das Tabu: Fehl- & Todgeburt in der Öffentlichkeit

Gestern ging ein riesengroßer Aufruhr durch die Sternenelterngemeinde. Nach dem Post von Chrissy Teigen auf Instagram, in dem sie nicht nur darüber schrieb, dass sie ihren Sohn Jack im 6. Schwangerschaftsmonat tot zur Welt bringen musste, sondern auch noch Bilder von dem Weg der Geburt und des Abschieds zeigte.

Viele unterstellten ihr Geldgeilheit und reine PR-Absichten, meinten sie wäre schamlos und würde für Fame über die Leiche ihres Sohnes gehen. Die Beleidigungen kannten keine Obergrenze und auch ich steuerte in sämtlichen Kommentarspalten gegen diese HATER. Denn auch ich bin eine Sternenmama, eine Betroffene, eine Mutter die viel zu früh Abschied von ihren Kindern nehmen musste. Eine Mutter deren Kinder noch zu klein waren um Fotos von ihnen machen zu können, eine Mutter die alles für so ein letztes Foto geben würde um es allen unter die Nase halten und von ihren Kindern erzählen zu können. Denn auch diese Kinder gehören zu mir und meinem Leben dazu. Nur weil sie tot sind, heißt dass nicht, dass sie nicht weiter existieren. Unsere toten Kinder sind genauso wunderschön und perfekt, wie die lebenden. Wir wollen das man sie genauso wahrnimmt wie sie, in Erinnerungen lebendig werden lässt und sie beim Namen nennt. Wir sind so unglaublich stolz, dass wir die Eltern unserer verstorbenen Kinder sind und alle Welt soll das sehen können.

Es gibt ganz tolle Organisationen wie Dein Sternenkind, die deutschlandweit aktiv sind und sobald bei ihnen ein Notruf eingeht, direkt losfahren um genau diesen ersten und letzten Erinnerungen festzuhalten. Erinnerungen schaffen, an denen sich die Eltern in ihrer Trauer halten können, die ihnen dabei helfen den Tod ihres Kindes zu bewältigen und die es ihnen ermöglichen auch anderen ihr Kind zu zeigen und zu sagen “Schau, dass ist unser Kind!”.

Sterneneltern brauchen Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung auf ihrem Weg der Trauer. Wie sollen sie dies bekommen, wenn keiner von dem Verlust weiß? Wie sollen sie Familie, Freunde und Kollegen an ihrer Trauer teilhaben lassen, wenn sie gar keine Möglichkeit dazu bekommen?

Jede dritte Schwangerschaft endet frühzeitig in einer Fehlgeburt, jede 10. Geburt ist eine stille, bei der das Baby tot zur Welt kommt. D.h. im Klartext hat jede Frau durchschnittlich mind. eine Fehlgeburt in ihrem Leben. Wir Frauen sind quasi alle eine Betroffene, wenn nicht selbst betroffen, so kennen wir doch mindestens eine die dieses Schicksal erlitten hat. Gerade wir sollten doch dafür kämpfen, dass unsere Kinder gesehen werden, oder nicht?

Zum Abschluss möchte ich nur noch eines sagen:

Meine Kinder sind immer bei mir, so lange ich lebe denke ich jeden Augenblick an sie, sie sind für immer in meinem Herzen und kein dummer Kommentar der Welt, wird daran je etwas ändern. Es gibt keine feste Regeln, wie man um sein Kind zu trauern hat. Trauer ist für jeden anders, genauso individuell wie wir Menschen es sind. Ich werde kämpfen, dafür das Trauer gesellschaftsfähig wird, denn der Tod gehört nunmal unwiderruflich zu unserem Leben dazu und genauso sollte er auch behandelt werden!

Ich kämpfe, mit allen Mitteln und mit allen anderen Sterneneltern gegen das Tabu!

Was ist Trauer für mich?

Trauer ist mein steter Begleiter, wie ein alte Freundin. Sie begleitet mich überall hin, zum Einkaufen, bei Arztbesuchen, wenn ich ein Entspannungsbad einnehme… Sie ist immer da.

Mal sehe ich sie direkt, und mal ist sie nur unterschwellig aktiv, dann wiederum ist es als sei sie verschwunden, bis sie plötzlich wieder laut “Hallo!” ruft. Und dann nehme ich sie in den Arm und begrüße sie. Ich lasse all diese Gefühle, die auf mich niederprasseln zu und lebe sie aus.

Ich lasse mich komplett auf sie ein und wenn sie ihre Gier, ihren Durst oder was auch immer gestillt hat, dann verschwindet die Trauer auch wieder. Je öfter sie kommt, desto weniger tut es mir weh. Die Trauer verändert sich, sie wird leichter, nimmt ab , aber ganz verschwinden, dass wird sie nie!

Der Verlust meiner Tochter im September 2017

Am 23.07.2017 hielt ich morgens einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand, 2-3 stand darauf. Ich war also bereits in der 4. Woche schwanger. Ich konnte es kaum glauben, ging ich doch davon aus, dass er wieder einmal negativ sein würde. Ich ging nach oben ins Schlafzimmer, weckte meinen Mann und sagte nur “Positiv. Er ist tatsächlich positiv.” Von ihm kam nur ein schlaftrunkenes “cool”.
Ich machte am nächsten Tag direkt einen Termin bei meiner Frauenärztin, wollte ich doch wissen, ob alles okay ist mit dem kleinen Würmchen in mir. Ich sollte am 27.07.2017 morgen um 8 Uhr hin kommen und das tat ich auch. Ich war die ganze Zeit mega nervös und gespannt, was sie sehen würde. Doch man sah nur eine kleine schwarze Fruchthöhle. Eine Woche später musste ich erneut hin, die Fruchthöhle war gewachsen und man sah einen kleinen weißen Punkt. Unser Würmchen hatte sich eingenistet. Ich war so unendlich erleichtert, doch ich habe mir das auch schon gedacht. So oft wie ich pullern musste, auch nachts, ich war mehr wach, als das ich geschlafen habe. Auch die Übelkeit den ganzen Tag über machte mir arg zu schaffen. Nichts wollte in mir bleiben.
Der nächste Termin war am 14.08.2017, da sollte ich endlich meinen Mutterpass erhalten und mein kleines Würmchen sehen. Ich freute mich riesig. Zu diesem Termin ging ich bereits in Umstandskleidung, da mein Bäuchlein meine Hosen bereits sprengte. Willkommen Schwangerschaft Nummer drei dachte ich nur und wo will mein Bauch bitte noch hin?!
Ich wurde gewogen und in meinen Mutterpass wurden die Ergebnisse von den Bluttests eingeklebt. Auf dem US sah ich mein Würmchen und sein Herz blubberte kräftig, so wie es sein sollte. Ich war nun in der 7.SSW und mega happy.
Der nächste Termin war der 11.09.2017. Mein ganz persönlicher Horrortag, doch das wusste ich da noch nicht. Zwischen dem 14.08.2017 und dem 11.09.2017 stand noch ein großes Familientreffen an. Da erfuhr ich auch, dass meine Schwiegermutter bereits die ganze Familie eingeweiht hatte, obwohl wir bis zur 12. Woche warten wollten. Ich hatte extra ein weites Kleid angezogen. Aber jeder sprach mich auf die SS an und gratulierte uns.

Am 09.09.2017 kauften wir noch ein gebrauchtes Babybett und am 10.09.2017 ging ich mit der zukünftigen Patentante auf einem Secondhand-Markt shoppen, Bodys, Strampler und Söckchen wurden gekauft. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jetzt noch etwas schief gehen konnte… Es war ein trister und grauer Morgen am 11.09.2017 als ich mich auf den Weg in die Frauenarztpraxis machte. Ich freute mich total auf den Ultraschalltermin, hatte ich doch erst ein Bild von unserem Würmchen, da ich in der 11. Woche war, erhoffte ich mir endlich etwas mehr zu erkennen. 
Total nervös fuhr ich mit dem Aufzug in die 5. Etage und atmete noch einmal tief durch bevor ich eintrat. An der Anmeldung brauchte ich nicht lange und konnte schon direkt durch ins Labor. Mir wurde gesagt, dass es toll wäre, dass meine Schwangerschaftsübelkeit endlich nachgelassen habe, wo ich doch so eine schwere Form hatte. Ich bejahte dies und sagte auch, dass ich so nun endlich meine Schwangerschaft richtig genießen konnte. Fragte noch ob ich etwas beachten muss, da wir in zwei Wochen nach Spanien fahren wollten. Nicht zu lange sitzen, viel trinken und ich bekam ein Rezept für orthopädische Strümpfe. 
Dann konnte ich auch schon zur Ärztin, ich machte mich frei bekam nochmal gesagt wie toll es sei, dass die Übelkeit weg wäre und wir jetzt ein neues Bildchen machen würden. Ich setzte mich gespannt auf den Stuhl und blickte sie freudig an. Doch etwas stimmte nicht, sie guckte ganz skeptisch und ich sagte nur ‘oh nein’, dann kamen auch schon die Worte, die keine Schwangere hören möchte. Es tut mir Leid, aber da stimmt etwas nicht. Sie drehte den Bildschirm zu mir und ich wusste was sie meinte, unser Krümelchen ist nicht weiter gewachsen, nur die Fruchtblase.
Panik überkam mich, ich fing an zu zittern und in meinem Kopf lief das immer gleiche Mantra ab, das ist nicht wahr. 
Meine Frauenärztin rief direkt in der Klinik an und schrieb mir eine Überweisung, sie sagte, dass dort nochmal nachgeschaut würde. Das ist gut, dachte ich mir, dann sehen die das alles in Ordnung ist.

Ich schickte meinem Mann eine Nachricht, dass er bitte in die Klinik kommen soll und wir uns dort treffen. Er rief direkt an und ich brach direkt in Tränen aus, er sagte nur er sei gleich an der Praxis und ich solle warten. 
Als er da war, waren meine Tränen wieder versiegt und mein Mantra wieder da. ich sagte mir in Gedanken immer wieder das alles in Ordnung sei. Doch tief in mir drin, wusste ich das es nicht so ist.
Wir fanden zügig einen Parkplatz und gingen zur gynäkologischen Ambulanz, vor der Anmeldung waren gefühlt 100 hochschwangere Frauen, in Wirklichkeit waren es vielleicht 5.
Ich habe dann mit meinem Mann dort 3 Stunden auf dem Flur gesessen und auf die Untersuchung gewartet, leider wurde da der Missed Abort bestätigt und ich sollte am nächsten tag eine Ausschabung bekommen, da für einen natürlichen Abgang die Fruchtblase zu groß sei.
ich musste einmal durch die ganze Klinik laufen um zur Anästhesistin zu gelangen, die mich über die Arten der Narkosen aufklärte und die jeweiligen Risiken. Dann ging es zur Blutabnahme und der Blutdruck wurde gemessen.
Anschließend hatte ich noch ein Gespräch mit einer anderen Gynäkologin, bei diesem Gespräch kam ich mir echt von dem da oben verarscht vor, die Ärztin war auch hochschwanger. Ich glaub das fanden wir beide nicht sonderlich toll.
Wir fuhren dann nach ca. 6 Stunden nach Hause. In unser Zuhause in dem geshoppte Babyklamotten auf uns warteten und ein Bettchen, ich hatte dies einen Tag vorher auf einem Secondhandmarkt gekauft. 
Ich konnte an diesem tag nicht mehr weinen, nicht als ich es meiner Freundin mitteilte oder meiner Schwiegermutter. Ich war wie in Trance, ich funktionierte nur und dachte das alles sei ein Alptraum und ich würde wieder aufwachen.
Anschließend hatte ich noch ein Gespräch mit einer anderen Gynäkologin, bei diesem Gespräch kam ich mir echt von dem da oben verarscht vor, die Ärztin war auch hochschwanger. Ich glaub das fanden wir beide nicht sonderlich toll.
Wir fuhren dann nach ca. 6 Stunden nach Hause. In unser Zuhause in dem geshoppte Babyklamotten auf uns warteten und ein Bettchen, ich hatte dies einen Tag vorher auf einem Secondhandmarkt gekauft. 
Ich konnte an diesem tag nicht mehr weinen, nicht als ich es meiner Freundin mitteilte oder meiner Schwiegermutter. Ich war wie in Trance, ich funktionierte nur und dachte das alles sei ein Alptraum und ich würde wieder aufwachen.

Am Morgen des 12.09.2017 musste ich zwei Tabletten nehmen, welche den Muttermund weich machen und eine Blutung auslösen sollten. Um 11 Uhr mussten wir dann im Ambulatorium des Krankenhauses sein. Die Stunden des Wartens zuhause waren endlos, ich dachte immer wieder “Nein, dass ist nicht okay so.” und “Nein, du gehst da nicht hin, das ist falsch.”, aber ich musste hin. Ich musste unser Baby aus meinem Bauch nehmen lassen und ich musste mich von ihm verabschieden. 
Wir fuhren zuhause um halb 11 weg, Blutungen hatte ich keine dafür aber Wehenartige Schmerzen im Unterbauch. Ich wusste, dass es mich jetzt schon verlässt und nicht bleiben darf. Aber weinen konnte ich nicht, noch nicht.
Wir fanden zum Glück direkt einen Parkplatz und auch vor dem Ambulatorium mussten wie nicht lange warten. Mir wurde mein Bett gezeigt und ich bekam Wechselkleidung, OP-Kleidchen, Haube, Netzhöschen und die sexy Strümpfe.
Ich legte mich ins Bett und deckte mich zu, jetzt als ich so da lag überkam mich ein Frösteln und Unbehagen. Ich wollte nicht hier sein, wollte mein kleines Baby und mein schon wachsendes Bäuchlein behalten. 
Ich sollte um 13:30 Uhr in den OP kommen, aber es zögerte und zögerte sich hinaus. Durch die immer größer werdende Anspannung begann ich zwischendurch doch immer wieder zu weinen, mein Mann und ich wussten auch nicht so recht worüber wir uns unterhalten sollen. 
Auch von außen bekamen wir nicht viel mit, außer das Öffnen und Schließen der OP-Tür und immer dachten wir, jetzt bin ich an der Reihe. Ab einem gewissen Punkt, wollte ich es einfach nur endlich hinter mir haben. Ich wollte endlich hier raus und wieder nach Hause. Endlich, um 15 Uhr kam ich dann in den OP-Vorraum, ich musste auf ein anderes Bett klettern und wurde hinein geschoben. Es wurde noch einmal gefragt was gemacht wird und ich erklärte ihnen, dass mein Baby weggemacht wird, weil sein Herzchen nicht mehr schlagen wollte. Es brach alles aus mir heraus, ich weinte und schimpfte. Erzählte, dass mein Mann und ich uns dieses Baby so sehr gewünscht hatten und uns so freuten, dass es schließlich da war.

Ich sagte auch, dass mein Mann vor drei Jahren eine, für mich schwierige Erkrankung hatte und es daher nicht ganz so einfach war. 
Im OP-Saal waren alle super nett und haben mich getröstet, der Gynäkologin musste ich versprechen, dass wir es noch mal versuchen würden schwanger zu werden. Man merkte, dass sie alle meine, nein unsere Geschichte sehr mitnahm.
Mir wurde ein Zugang gelegt, ich bekam die Sauerstoffmaske über das Gesicht und das Narkosemittel wurde mir gespritzt. 
Als ich in meinem Bett wieder aufwachte war ich so unendlich traurig, ich weinte wieder heftig und verlangte, dass mein Mann zu mir kommt. Ich sah ihn an und alles was aus mir heraus brach war, dass es mir so sehr Leid tut. Es tat mir Leid, dass ich nicht fähig war unser Baby zu behalten. Es tat mir Leid, dass ich ihm diesen Kummer zugemutet habe. Es tat mir Leid, dass er meinen jämmerlichen Anblick ertragen musste. 
Ich gab mir selbst die Schuld daran, dass unser Baby in meinem Bauch gestorben ist. Ich konnte diesen Schmerz in meinem Herzen nicht ertragen. Meine beste Freundin kam auch noch kurz zu mir, leider hatte sie nur wenig Zeit, aber ich freute mich sehr, dass sie da war. Mit meinem Mann redete ich dann noch kurz, aber außer es tut mir Leid kam nicht viel von mir.
Ich wollte dann auch nur noch aus diesen beschissenen Klamotten raus und nach Hause, nach Hause auf meine Couch, nach Hause zu meiner Tochter und nicht unter Fremden sein.
Man erklärte mir, dass bevor ich gehen durfte, ich noch etwas Essen und Trinken muss, ebenfalls müssen die Ärzte noch nach mir sehen und ich muss vorher auf Toilette gehen. Zuerst bekam ich Brot und Tee, dass aß ich und es ging mir danach auch gut. Allerdings musste ich dann bald zur Toilette, es dauerte aber eine Weile, bis die Krankenschwester mit mir ging. Die Anästhesistin war auch nach zwei Stunden bei mir, wir mussten nur lange auf die Gynäkologin warten. Ich fragte sie noch, was denn jetzt mit unserem Baby passiert. Sie meinte, dass es nun zur Pathologie kommt und dort untersucht wird und danach würde es “entsorgt” werden. Eine Sammelbestattung würde es bei uns leider nicht geben.

Als das alles geschafft war, waren 3 Stunden vergangen, aber ich durfte endlich nach Hause. Da mein Mann mich nicht alleine lassen durfte, aber unsere Tochter bei seiner Mama abholen musste, kam meine beste Freundin mit ihrem Freund und dessen Tochter zu uns. Es tat mir gut sie um mich zu haben.
Ich war abgelenkt und es ging mir gut, jetzt schäme ich mich für diese Worte, aber ich glaube das war einfach zu der zeit eine Art Schutzmechanismus. Ich erzählte ihnen wie es ihm Krankenhaus war und was die Ärzte noch meinten, das war es dann aber auch schon.
Als mein Mann mit unserer Tochter nach Hause kam, erzählte ich ihr, dass das Baby leider nicht gesund war und deshalb in meinem Bauch gestorben ist. Doch wider Erwarten musste meine Tochter nicht weinen, sondern nahm mich in den Arm und sagte: ” Mami, dass ist doch überhaupt nicht schlimm, das Baby braucht jetzt ein bisschen Zeit und dann kommt es gesund wieder in deinen Bauch. Dann freuen wir uns alle und haben es besonders doll lieb.”
Bei diesen Worten von meiner 7-jährigen bekam ich Tränen in die Augen und eine richtig fette Gänsehaut. Ich lächelte sie an und sagte, ja mein Schatz, genau so wird es sein.

Ich habe mich danach in sämtlichen Sterneneltern Facebookgruppen angemeldet. Ich habe diese Stille und Leere einfach nicht ertragen. Mein Mann wollte und konnte nicht über Mila reden. Meine Eltern meinten nur “Wer weiß wofür es gut war” oder “Es war ja noch kein Kind”. Doch es war ein Kind, es war mein Kind, dass ich seit dem positiven Test abgöttisch geliebt habe und mit dem ich eine Zukunft geplant habe. Eine Zukunft die mir nun geraubt wurde. Ich war so wütend und enttäuscht.

In einer dieser Gruppe habe ich erfahren, dass Sternenkinder unter 500 Gramm sehr wohl bestattet werden. Und ich habe mich an die Seelsorger meiner Klinik gewandt. Ich habe ihnen eine Email geschrieben, in der ich fragte ob doch eine Sammelbestattung stattfindet und ich mein Kind doch würdig gehen lassen könne.
Auch an die Pathologie habe ich mich gewandt, denn diese muss es ja schließlich auch wissen. Ich erhielt am nächsten Tag eine Antwort, die mir die Tränen in die Augen schießen ließ.
Ja es gab eine, meine Tochter würde, sofern ich dies wünsche im November mit anderen Sternchen bestattet. Ebenso möchten sie sich für mich und andere Sterneneltern einsetzen und klären, dass in Zukunft alle Sterneneltern von diesen Bestattungen erfahren. Sie haben sich umgehend mit der Klinikleitung, dem Chefarzt und dem Personal der Gynäkologie in Verbindung gesetzt und ein riesiges Donnerwetter losgelassen.
Ich war unheimlich erleichtert.

Von der Pathologie erhielt ich auch nach ein paar Tagen eine Antwort, dass mein Mäuschen, sobald die Histologie fertig sei, übergeben werde zur Bestattung.

Das Ergebnis der Hostologie kam nach 14 Tagen mit dem Ergebnis, dass alles in Ordnung sei. Ich dachte mich trifft der Schlag. Wenn alles in Ordnung wäre, dann wäre ich nun in der 14. SSW und hätte mein Baby nicht verloren. Das Ergebnis machte mich unglaublich wütend.

Ende Oktober war dann die Einladung zur Sammelbestattung im Briefkasten. Ich zitterte am ganzen Körper, als ich den Briefumschlag öffnete. Der Brief war so liebevoll geschrieben, ich heulte direkt los, als ich die Worte las. Diesen Brief habe ich heute noch.

Unser Würmchen wurde am 08.11.2018 um 11 Uhr bestattet.
Jetzt ist er also gekommen, der Tag deiner Beisetzung. Dein Papa hat sich für heute sogar extra freigenommen, da die Kirche um 11 Uhr stattfindet. Wir sind um 6:30 Uhr mit deiner großen Schwester aufgestanden, haben uns fertig gemacht und sie zur Schule gebracht. Anschließend sind wir nach Hause, wir wollten frühstücken, doch irgendwie fehlte mir der Appetit. Alles in mir schrie, nein. Es ist falsch, dass wir dich beisetzen, dass du nicht mehr in meinem Bauch bist, beschützt und behütet. Mir war schlecht und ich war zittrig. um 10 Uhr sind wir dann zum Blumenladen und haben für dich zwei weiße Rosen geholt, die wir dir aufs Grab legen wollten. 
Gegen 10:40 Uhr kamen wir auf dem Waldfriedhof an. Wir mussten dort in die kleine Kapelle gehen, in der der Gottesdienst sein würde. Außer uns waren nur noch 2 andere Elternpaare da, ich fragte mich in dem Moment, wie viele Eltern auch nicht wussten, dass ihre Sternchen bestattet werden. Dies machte mich noch trauriger, aber ich kann meine Tränen noch zurück halten.
Die beiden Pfarrer der Caritas Klinik St. Theresia kommen herein, geben jedem die Hand, stellen sich vor und reden noch kurz mit uns. Das finde ich sehr schön, da so das Ganze etwas persönlicher wird.
Die Pfarrer verlassen die Kapelle dann wieder und die Urne mit dir und den anderen Sternchen wird hereingetragen, sie ist wunderschön, weiß mit dem grauen Umriss eines Einhorns. Sie ist absolut perfekt und so passend. 
Als ich sie so betrachte fangen die ersten Tränen an, sich ihren Weg über mein Gesicht zu bahnen, dein Papa hält meine Hand dabei ganz fest. Der Organist beginnt ein wunderschönes Stück zu spielen und die zwei Pfarrer betreten die Kapelle erneut. Sie verbeugen sich ganz kurz vor eurer Urne und beginnen den Gottesdienst.

Ich kann mir nicht alles merken mein Schatz, ich bin wie in Trance. Ich weiß nur, dass mich die Worte und die Musik sehr berühren und mir ein positives Gefühl geben. Ja ich kann sagen ich bin froh gerade hier zu sitzen und den tröstenden und kraft spendenden
Worten der Pfarrer zu lauschen.
Nach etwa einer halben Stunde werdet ihr hinaus getragen, es regnet und wir laufen weinend eurer Urne hinterher. 
Euer Sammelgrab ist sehr schön und wir stehen eine zeit lang davor, ihr werdet hineingesetzt und wir dürfen uns von euch einzeln verabschieden. Meine Worte an dich sind:”Meine süße Mila, hab viel Spaß da oben mit deinem großen Bruder, deinem Opa und deinem Ur-Opa, wir werden uns bald wiedersehen und dann werd ich dich erstmal niederknutschen.” Wir haben euch Erde drauf geschüttet und uns neben euer Grab gestellt, dass ist so unreal, wie in einem Film. Ich kanns immer noch nicht glauben, dass das jetzt dein Platz ist. Das ich dich hier besuchen kann und mit dir reden kann, ohne dich jemals zu sehen. 
Allerdings stehe ich hier auch und frage mich ob dein großer Bruder auch so einen tollen Platz gefunden hat. Denn auch damals vor 9 Jahren habe ich nicht erfahren, was danach mit ihm passierte. Für mich fühlt es sich gerade so an, als hätte ich euch beide beigesetzt und mich von ihm auch verabschiedet. Aber ich werde da nachforschen und raus finden, was mit ihm passiert ist.

Nachmittags haben wir deine Schwester von der Schule abgeholt und sind mit ihr zu dir ans Grab gefahren. Sie wollte sich auch von dir verabschieden, sie hat mit dir ganz viel geredet und dir gesagt, dass sie dich lieb hat.
Bis bald mein Engel, wir kommen ganz bald wieder!