Wie habe ich meiner Tochter den Tod erklärt

Das erste Mal bewusst mit dem Tod konfrontiert wurde unsere Maus mit 5 Jahren, damals starb ihr geliebtes Kaninchen Pina. Die Kleine ist aus dem Kaninchengehege ausgebüxt in dem sie den Maschendraht durchgebissen hat. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass dies überhaupt möglich ist. Sie hoppelte zur Hauptstraße und bekam dort einen tödlichen Schrecken, morgens klingelte eine Nachbarin und fragte ob es unser Kaninchen ist, welches da an der Straße liegt.

Mein Mann ist dann rausgegangen und hat nachgesehen, die arme Maus, lag völlig unversehrt aufm dem Gehweg, ist also wortwörtlich an einem tödlichen Schrecken gestorben. Wir haben sie in ein Tuch eingewickelt und sie gemeinsam im Garten bestattet. So hatte unsere Tochter auch die Möglichkeit sich von ihrem Kaninchen zu verabschieden.

Das zweite Mal mit dem Tod konfrontiert wurde sie, als ihr Uropa 2016 nach langer Krankheit verstorben ist. Damals war sie gerade 6 Jahre alt. Er ist am zweiten Weihnachtsfeiertag friedlich für immer eingeschlafen. Er durfte den Tod sterben, den er sich so sehr gewünscht hatte. Aufgrund seines COPDS und Lungenkrebses, hätte es auch ein ganz anderer sein können. Wir waren am 24.12. alle bei meinen Eltern, nur mein Papa war die meiste Zeit bei meiner Oma und meinem Opa, weil wir wussten, es würde bald zu Ende sein.

Unserer Tochter haben wir an dem Tag noch nichts davon gesagt, wir wollten das sie ein schönes Weihnachtsfest hat. Am nächsten Morgen kam mein Papa dann nach Hause und erzählte was passiert ist. Auch sie erfuhr so vom Tod ihres Uropas. Wir haben ihr alle ihre Fragen offen und ehrlich beantwortet und gemeinsam geweint. Es war eine schöne und geborgene Situation, alle gemeinsam. Wir besprachen, wann er vom Bestatter abgeholt wird und wie es dann weitergeht. Im Januar wurde er dann in einem Kolumbarium bestattet, in einer schönen Urnenwand hinter Glas steht seine Urne und wir dürfen jederzeit etwas hinbringen. Sie hatte natürlich gerade zur Urne ganz viele Fragen, z.B. ob es dem Ticktack-Opa wehgetan hat verbrannt zu werden und wie es jetzt in der Urne aussieht. Diese Fragen haben wir ihr kindgerecht erklärt und sie auch mit zur Bestattung genommen. Wir haben ihr erzähl was da passiert und dass sie ruhig weinen darf, wenn sie das möchte. Es gehört dazu und ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Dann habe ich im September 2017 erfahren, dass unser Baby in meinem Bauch verstorben ist. Unsere Tochter wusste sehr früh Bescheid, dass ich wieder schwanger war. Erstens litt ich unter einer sehr starken Form der Schwangerschaftsübelkeit und zweitens sah man auch schon ab der 9. Woche, dass sich da jemand ausgebreitet hat. Leider war die Schwangerschaft in der 12. Schwangerschaftswoche vorbei… Auch dies erzählten wir ihr sehr liebevoll. Wir erzählten ihr, dass ihr Geschwisterchen nicht gesund war und deshalb beschlossen hatte zu gehen. Sie war natürlich sehr traurig darüber, aber sie sagte auch etwas, was mich tief berührt hat. Sie sagte: “Mama, das ist doch nicht schlimm. Mein Geschwisterchen wird jetzt wieder gesund und kommt dann einfach wieder.” Ich fand diese Worte von meiner 7-jährigen so tröstlich und wunderschön.

Unser Baby wurde mit anderen Babys sammelbestattet, leider war die Bestattung morgens und sie musste zur Schule, aber wir gingen mittags mit ihr zu dem Sternengrab und sie legte ihrem Geschwisterchen auch was hin. Wir gehen heute noch oft an die Gräber und bringen Blumen und neue Kuscheltiere hin. Sie erzählt auch oft mit mir darüber, dass sie Opa, Uropa, Pina und ihre Geschwister vermisst. Nach dem unser Baby starb, starben auch noch 2 Kater von uns, auch mit diesen Verlusten kam sie zurecht, sie weinte, war wütend und spricht noch oft von ihnen. Sie weiß, dass sie bei uns einen Raum hat dafür, dass wir für sie da sind und da gemeinsam durchgehen.

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