Als der Sturm kam

Es war ein trister und grauer Morgen am 11.09.2017 als ich mich auf den Weg in die Frauenarztpraxis machte. Ich freute mich total auf den Ultraschalltermin, hatte ich doch erst ein Bild von unserem Würmchen, da ich in der 11. Woche war, erhoffte ich mir endlich etwas mehr zu erkennen. 
Total nervös fuhr ich mit dem Aufzug in die 5. Etage und atmete noch einmal tief durch bevor ich eintrat. An der Anmeldung brauchte ich nicht lange und konnte schon direkt durch ins Labor. Mir wurde gesagt, dass es toll wäre, dass meine Schwangerschaftsübelkeit endlich nachgelassen habe, wo ich doch so eine schwere Form hatte. Ich bejahte dies und sagte auch, dass ich so nun endlich meine Schwangerschaft richtig genießen konnte. Fragte noch ob ich etwas beachten muss, da wir in zwei Wochen nach Spanien fahren wollten. Nicht zu lange sitzen, viel trinken und ich bekam ein Rezept für orthopädische Strümpfe. 
Dann konnte ich auch schon zur Ärztin, ich machte mich frei bekam nochmal gesagt wie toll es sei, dass die Übelkeit weg wäre und wir jetzt ein neues Bildchen machen würden. Ich setzte mich gespannt auf den Stuhl und blickte sie freudig an. Doch etwas stimmte nicht, sie guckte ganz skeptisch und ich sagte nur ‘oh nein’, dann kamen auch schon die Worte, die keine Schwangere hören möchte. Es tut mir Leid, aber da stimmt etwas nicht. Sie drehte den Bildschirm zu mir und ich wusste was sie meinte, unser Krümelchen ist nicht weiter gewachsen, nur die Fruchtblase.
Panik überkam mich, ich fing an zu zittern und in meinem Kopf lief das immer gleiche Mantra ab, das ist nicht wahr. 
Meine Frauenärztin rief direkt in der Klinik an und schrieb mir eine Überweisung, sie sagte, dass dort nochmal nachgeschaut würde. Das ist gut, dachte ich mir, dann sehen die das alles in Ordnung ist. 
Ich schickte meinem Mann eine Nachricht, dass er bitte in die Klinik kommen soll und wir uns dort treffen. Er rief direkt an und ich brach direkt in Tränen aus, er sagte nur er sei gleich an der Praxis und ich solle warten. 
Als er da war, waren meine Tränen wieder versiegt und mein Mantra wieder da. ich sagte mir in Gedanken immer wieder das alles in Ordnung sei. Doch tief in mir drin, wusste ich das es nicht so ist.
Wir fanden zügig einen Parkplatz und gingen zur gynäkologischen Ambulanz, vor der Anmeldung waren gefühlt 100 hochschwangere Frauen, in Wirklichkeit waren es vielleicht 5.
Ich habe dann mit meinem Mann dort 3 Stunden auf dem Flur gesessen und auf die Untersuchung gewartet, leider wurde da der Missed Abort bestätigt und ich sollte am nächsten tag eine Ausschabung bekommen, da für einen natürlichen Abgang die Fruchtblase zu groß sei.
ich musste einmal durch die ganze Klinik laufen um zur Anästhesistin zu gelangen, die mich über die Arten der Narkosen aufklärte und die jeweiligen Risiken. Dann ging es zur Blutabnahme und der Blutdruck wurde gemessen.
Anschließend hatte ich noch ein Gespräch mit einer anderen Gynäkologin, bei diesem Gespräch kam ich mir echt von dem da oben verarscht vor, die Ärztin war auch hochschwanger. Ich glaub das fanden wir beide nicht sonderlich toll.
Wir fuhren dann nach ca. 6 Stunden nach Hause. In unser Zuhause in dem geshoppte Babyklamotten auf uns warteten und ein Bettchen, ich hatte dies einen Tag vorher auf einem Secondhandmarkt gekauft. 
Ich konnte an diesem tag nicht mehr weinen, nicht als ich es meiner Freundin mitteilte oder meiner Schwiegermutter. Ich war wie in Trance, ich funktionierte nur und dachte das alles sei ein Alptraum und ich würde wieder aufwachen. 

Die Ausschabung

Am Morgen des 12.09.2017 musste ich zwei Tabletten nehmen, welche den Muttermund weich machen und eine Blutung auslösen sollten. Um 11 Uhr mussten wir dann im Ambulatorium des Krankenhauses sein. Die Stunden des Wartens zuhause waren endlos, ich dachte immer wieder “Nein, dass ist nicht okay so.” und “Nein, du gehst da nicht hin, das ist falsch.”, aber ich musste hin. Ich musste unser Baby aus meinem Bauch nehmen lassen und ich musste mich von ihm verabschieden. 
Wir fuhren zuhause um halb 11 weg, Blutungen hatte ich keine dafür aber Wehenartige Schmerzen im Unterbauch. Ich wusste, dass es mich jetzt schon verlässt und nicht bleiben darf. Aber weinen konnte ich nicht, noch nicht.
Wir fanden zum Glück direkt einen Parkplatz und auch vor dem Ambulatorium mussten wie nicht lange warten. Mir wurde mein Bett gezeigt und ich bekam Wechselkleidung, OP-Kleidchen, Haube, Netzhöschen und die sexy Strümpfe.
Ich legte mich ins Bett und deckte mich zu, jetzt als ich so da lag überkam mich ein Frösteln und Unbehagen. Ich wollte nicht hier sein, wollte mein kleines Baby und mein schon wachsendes Bäuchlein behalten. 
Ich sollte um 13:30 Uhr in den OP kommen, aber es zögerte und zögerte sich hinaus. Durch die immer größer werdende Anspannung begann ich zwischendurch doch immer wieder zu weinen, mein Mann und ich wussten auch nicht so recht worüber wir uns unterhalten sollen. 
Auch von außen bekamen wir nicht viel mit, außer das Öffnen und Schließen der OP-Tür und immer dachten wir, jetzt bin ich an der Reihe. Ab einem gewissen Punkt, wollte ich es einfach nur endlich hinter mir haben. Ich wollte endlich hier raus und wieder nach Hause. Endlich, um 15 Uhr kam ich dann in den OP-Vorraum, ich musste auf ein anderes Bett klettern und wurde hinein geschoben. Es wurde noch einmal gefragt was gemacht wird und ich erklärte ihnen, dass mein Baby weggemacht wird, weil sein Herzchen nicht mehr schlagen wollte. Es brach alles aus mir heraus, ich weinte und schimpfte. Erzählte, dass mein Mann und ich uns dieses Baby so sehr gewünscht hatten und uns so freuten, dass es schließlich da war. Ich sagte auch, dass mein Mann vor drei Jahren eine, für mich schwierige Erkrankung hatte und es daher nicht ganz so einfach war. 
Im OP-Saal waren alle super nett und haben mich getröstet, der Gynäkologin musste ich versprechen, dass wir es noch mal versuchen würden schwanger zu werden. Man merkte, dass sie alle meine, nein unsere Geschichte sehr mitnahm.
Mir wurde ein Zugang gelegt, ich bekam die Sauerstoffmaske über das Gesicht und das Narkosemittel wurde mir gespritzt. 
Als ich in meinem Bett wieder aufwachte war ich so unendlich traurig, ich weinte wieder heftig und verlangte, dass mein Mann zu mir kommt. Ich sah ihn an und alles was aus mir heraus brach war, dass es mir so sehr Leid tut. Es tat mir Leid, dass ich nicht fähig war unser Baby zu behalten. Es tat mir Leid, dass ich ihm diesen Kummer zugemutet habe. Es tat mir Leid, dass er meinen jämmerlichen Anblick ertragen musste. 
Ich gab mir selbst die Schuld daran, dass unser Baby in meinem Bauch gestorben ist. Ich konnte diesen Schmerz in meinem Herzen nicht ertragen. Meine beste Freundin kam auch noch kurz zu mir, leider hatte sie nur wenig Zeit, aber ich freute mich sehr, dass sie da war. Mit meinem Mann redete ich dann noch kurz, aber außer es tut mir Leid kam nicht viel von mir.
Ich wollte dann auch nur noch aus diesen beschissenen Klamotten raus und nach Hause, nach Hause auf meine Couch, nach Hause zu meiner Tochter und nicht unter Fremden sein.
Man erklärte mir, dass bevor ich gehen durfte, ich noch etwas Essen und Trinken muss, ebenfalls müssen die Ärzte noch nach mir sehen und ich muss vorher auf Toilette gehen. Zuerst bekam ich Brot und Tee, dass aß ich und es ging mir danach auch gut. Allerdings musste ich dann bald zur Toilette, es dauerte aber eine Weile, bis die Krankenschwester mit mir ging. Die Anästhesistin war auch nach zwei Stunden bei mir, wir mussten nur lange auf die Gynäkologin warten. Ich fragte sie noch, was denn jetzt mit unserem Baby passiert. Sie meinte, dass es nun zur Pathologie kommt und dort untersucht wird und danach würde es “entsorgt” werden. Eine Sammelbestattung würde es bei uns leider nicht geben.
Als das alles geschafft war, waren 3 Stunden vergangen, aber ich durfte endlich nach Hause. Da mein Mann mich nicht alleine lassen durfte, aber unsere Tochter bei seiner Mama abholen musste, kam meine beste Freundin mit ihrem Freund und dessen Tochter zu uns. Es tat mir gut sie um mich zu haben.
Ich war abgelenkt und es ging mir gut, jetzt schäme ich mich für diese Worte, aber ich glaube das war einfach zu der zeit eine Art Schutzmechanismus. Ich erzählte ihnen wie es ihm Krankenhaus war und was die Ärzte noch meinten, das war es dann aber auch schon.
Als mein Mann mit unserer Tochter nach Hause kam, erzählte ich ihr, dass das Baby leider nicht gesund war und deshalb in meinem Bauch gestorben ist. Doch wider Erwarten musste meine Tochter nicht weinen, sondern nahm mich in den Arm und sagte: ” Mami, dass ist doch überhaupt nicht schlimm, das Baby braucht jetzt ein bisschen Zeit und dann kommt es gesund wieder in deinen Bauch. Dann freuen wir uns alle und haben es besonders doll lieb.”
Bei diesen Worten von meiner 7jährigen bekam ich Tränen in die Augen und eine richtig fette Gänsehaut. Ich lächelte sie an und sagte, ja mein Schatz, genau so wird es sein.

Der erste Sturm

Mila ist nicht mein erstes Sternenkind, sondern mein zweites. Am 21.11.2008 habe ich in der 8. Woche bereits schon einmal ein Baby verloren, meinen geliebten Fynn.
Alles fing schon ein paar Tage vorher an, wie viele genau weiß ich nicht mehr. Ich dachte ich hätte ganz normal meine Periode, aber diese dauerte nun schon etwas länger an. In der Nacht vom 20.11. auf den 21.11. bekam ich heftige Bauchkrämpfe und mir war sehr schlecht. Mein Kreislauf war ebenfalls nicht in der besten Verfassung, ich trank Tee, nahm Buscopan, alles um die Schmerzen zu lindern, doch nichts half. 
Da ich aber arbeiten musste, ich hatte erst seit 2 Wochen die neue Ausbildungsstelle, quälte ich mich morgens dorthin. 
Mittags wurden die Schmerzen allerdings immer heftiger und ich übergab mich mehrmals, nach einiger Zeit fuhr mein Chef mich nach Hause, da auch er merkte, dass ich so unmöglich weiterarbeiten konnte.
Zuhause wartete mein damaliger Freund schon auf mich, er verbrachte ein paar Tage bei mir, worüber ich sehr glücklich war. Wir beschlossen zum Arzt im Ort zu gehen, damit es mir wieder besser gehen konnte.
Ich erklärte dort, was los ist und die Ärztin untersuchte mich kurz, konnte aber einen Virus und so ausschließen. Schließlich überwies sie mich zu einer Frauenärztin und dort gingen wir direkt im Anschluss hin. Da ich dort noch nie zuvor war, musste ich das Datenblatt ausfüllen und in einen Becher pullern. Nach einer halben Stunde etwa durften wir in das Behandlungszimmer gehen. Ich machte mich nach ihrer Aufforderung unten rum frei und setzte mich auf den Stuhl, sie untersuchte mich und ich durfte mich wieder anziehen. Wir nahmen dann an ihrem Schreibtisch platz.
Sie räusperte sich kurz und erklärte mir dann das der Urintest positiv war. Im ersten Moment freute ich mich, doch dann kam die Erkenntnis, ich blutete. Ich verfiel wie in eine Art Schockstarre. Da sprach sie es auch schon aus, sie verlieren allerdings dieses Kind gerade und ich kann nichts mehr für sie tun. Aufgrund des hohen Blutverlustes meinerseits sollten wir umgehend in die Klinik fahren, riet sie uns noch.  Ich wollte aber zuerst nach Hause, ein paar Sachen holen und meiner Mum bescheid geben. Wir fuhren also mit einem Taxi nach Hause, ich rief meine Mama an und erzählte ihr was los war. Sie verstand zunächst nur Bahnhof, versprach aber direkt zu kommen. 
Wir fuhren dann mit ihr zusammen ins Krankenhaus, ein anderes als bei Mila, dort wurde ich noch einmal komplett untersucht. Leider waren die Schwestern und Ärzte dort weniger freundlich. Als ich weinte, wurde ich nur darauf hingewiesen, dass ich dies ja nicht tun müsse, wo ich ja nichts von der Schwangerschaft gewusst hatte. Sie waren im Tonfall ziemlich barsch und ungehalten, genau das, was man als Frau in einer solchen Situation nicht gebrauchen kann. 
Etwa zwei bis drei Stunden später war ich auch schon im OP und wurde ausgeschabt, mein Baby von dem ich erst wenige Stunden wusste, war weg. 
Als ich aufwachte fühlte ich mich leer, total leer und mit meinen Gefühlen komplett überrollt. Was sollte ich auch fühlen, da war ein einziges Chaos, ich war mit 18 Jahren Mama, aber auch wieder nicht. Ich hatte ein Baby, aber auch wieder nicht. Was zur Hölle soll man denn das Fühlen, außer ein reines Chaos? Meine Mama und mein damaliger Freund waren kurz bei mir, gingen dann aber auch, weil es schon recht spät war. Am nächsten Tag wollten sie mich abholen.
In dieser Nacht träumte ich von einem kleinen Jungen, deshalb habe ich meinen Sternchen Fynn getauft, der sich mir zuwendet, meine Wange streichelt und sagt ich werde immer bei dir sein Mami, ich liebe dich. 
Meine Mutter konnte mich am nächsten Tag leider nicht im Krankenhaus abholen, da es geschneit hatte. Ich fuhr mit dem Taxi heim. 
Wirklich mehr zu Fynn gibt es nicht zu sagen, einiges wird bei den Blogeinträgen zu Mila noch geschrieben werden, deshalb werde ich es hier jetzt nicht tun.

Die zwei Wochen danach

Ich weiß gar nicht mehr so richtig, wie ich diese zwei Wochen überstanden habe. Ich war wie in Trance, wie ein Roboter. Ich habe einfach nur funktioniert, für meinen Mann und meine Tochter. Sie brauchten mich doch und ich durfte keine Schwäche zeigen.
Das ist überhaupt mein Lebensmotto, zeig ihnen deine Schwäche nicht, sei stark. 
Schwach war ich nur in Momenten in denen ich alleine war. Aber ich ließ es auch nicht lange zu, direkt wischte ich die Tränen wieder weg und sagte mir selbst ich muss stark sein.
Heute weiß ich, dass es Verdrängung war und diese ist alles andere als gut. Man zögert das Unausweichliche einfach nur hinaus, statt es direkt zu durchleben. 
Ende September fuhren wir mit meinen Eltern in den Urlaub, also konzentrierte ich mich darauf. Ich wusch Wäsche, damit ich dies nach dem Urlaub nicht mehr machen musste, packte viel zu früh die Reisetaschen, alles nur um mich abzulenken.
Einen schweren Moment hatte ich 10 Tage nach der Fehlgeburt, ich musste zur Kontrolle wieder in die Praxis meiner Frauenärztin. Leider bekam ich nicht den frühesten Termin, aber vor mir war zumindest keine Schwangere. Diesen Anblick hätte ich glaube ich nicht ertragen.
Versteht mich nicht falsch, ich gönne jeder schwangeren Frau ihr Glück, ja freue mich sogar für die und hoffe das alles gut geht, aber ich bezweifele dass sie ein verweintes Häufchen Elend vor ihrem Kontrolltermin sehen will.
Als ich dann in den Behandlungsraum musste, fühlte ich mich komisch, hatte ich doch noch meinen Bauch. 
Sie untersuchte mich dann und sagte, dass alles in Ordnung ist. Doch für mich war es das nicht. Ich fühlte mich noch schwanger, ohne es zu sein. Ich fühlte diese Leere in mir und die war alles andere als in Ordnung. In Ordnung wäre es gewesen, wenn ich mein kleines süßes Baby strampeln gesehen hätte.
Danach zog ich mich an und fuhr nach Hause, meinem Mann berichtete ich unterdessen von dem Termin und meinen Gefühlen, für mich war es wichtig, wenigstens mit ihm darüber reden zu können. Fehlte doch von vielen anderen für mich wichtigen das Verständnis für meine Trauer.

Diese Sprüche, wer weiß wofür es gut war, wer weiß ob das Baby gesund gewesen wäre, ihr seid ja noch jung, dann klappts halt beim nächsten Mal.
Ganz ehrlich, die sind alles andere als hilfreich, die sind einfach nur scheiße und absolut daneben. Sorry für den Ausdruck, aber es ist so. Nehmt die betroffende Mami oder den betroffenen Papi in den Arm, hört ihnen zu und sagt lieber gar nichts, anstatt etwas, dass es nur noch schlimmer macht. Seid einfach für sie da, unterstützt sie, auch im Haushalt oder geht mit ihnen raus, wenn ihr merkt sie verkriechen sich und das zuhause was liegen bleibt. Solche Gesten helfen auch schon sehr.
Wenn die Mamis und Papis ihre Kinder bestatten, dann fragt ob ihr sie dabei unterstützen könnt, ob sie etwas brauchen. 
Ich hätte mir dies von meinem Umfeld gewünscht, anstatt gefragt zu werden ob ich mir das wirklich antun will und ob das nicht übertrieben wäre. Nein es ist nicht übertrieben, sein Kind zu bestatten, es ist wichtig, ein ganz wichtiger Schritt in der Trauerbewältigung. Auch wenn es für manche nur ein Klumpen Gewebe war, für eine Mami oder einen Papi ist es ihr Kind, ihr Kind auf dass sie sich gefreut haben, ihr Kind, dass sie ab dem positiven Test geliebt haben, ihr Kind mit dem sie sich eine schöne Zukunft erträumt haben, ihr Kind dass sie niemals sehen werden, ihr Kind dass sie niemals lachen sehen, ihr Kind von dem sie sich verabschieden müssen, bevor sie die Gelegenheit hatten es kennenzulernen.
Ich als betroffene Mama zweier Sternenkinder, würde mir mehr Raum in unserer Gesellschaft dafür wünschen, mehr Akzeptanz des Umfeldes für eine trauernde Sternenfamilie und mehr Toleranz für den Umgang ihrer unterschiedlichen Trauer.
Jetzt bin ich aber doch etwas vom Thema abgekommen. Zuhause habe ich mich in die Hausarbeit gestürzt, bis ich meine Tochter von der Schule abholen musste. 
So liefen eigentlich die kompletten zwei Wochen bis zu unserem Urlaub, meine Tochter zur Schule bringen, ein bisschen Haushalt, auf der Couch sitzen und fernsehen, meine Tochter wieder abholen. Da zwischen noch einkaufen und so weiter. Ich war ein waschechter Zombie geworden. An nichts hatte ich Freude oder konnte mich für irgendwas begeistern.
Einen Tag vor unserem Urlaub, habe ich mich aufgerafft und meine Schwangerschaftsklamotten in eine Reisetasche gestopft. Ich wollte sie nicht mit in den Urlaub nehmen, ich wollte dort nicht daran denken, sondern den Urlaub versuchen zu genießen und nach vorne schauen. Es war unser erster Familienurlaub und der musste einfach schön werden.

Zwei Wochen Spanien

Die Fahrt nach Spanien war sehr lange, wir waren 11 Stunden unterwegs, einmal durch Frankreich und dann noch ein Stückchen nach Spanien rein, mit jedem Meter näher an Spanien wurde ich immer euphorischer. Ich freute mich riesig auf den Urlaub und hab mir Entspannung und Verarbeitung des Ganzen erhofft. Mit meinen Eltern und meiner Schwester bewohnten wir zusammen ein Ferienhaus. Es war schön nicht allein zu sein, sondern immer jemanden um einen herum zu haben. Wir haben viel unternommen, waren in St. Pol de Mar, Girona oder Blanes. Der Ausflug nach Barcelona musste leider, aufgrund der Unruhen in Katalonien zu der Zeit ausfallen. 
Ich kann eine Reise dahin jedem nur empfehlen, die Menschen sind so freundlich und die Atmosphäre war herrlich. Auch Hunde sind dort sehr willkommen. 
Es gab aber auch Momente da ging es mir überhaupt nicht gut. Ich habe zu der Zeit noch teilweise Umstandshosen tragen müssen, da mein Bäuchlein noch nicht ganz weg war. Als ich mit meinem Mann und unserer Tochter am Strand saß, schweiften meine Gedanken ab, zu dem Zeitpunkt wäre ich in der 16. Woche gewesen. Ich hab mich gefragt wie groß mein Bauch wohl schon wäre und ob ich unsere Maus schon hätte spüren können. 
Im Auto fragte ich mich, ob ich überhaupt noch hätte bequem sitzen können, ich hab mich gefragt, was ich wohl auf dem Markt an Babykleidung gekauft hätte. Den Anblick der ganzen Babysachen, hat mir die Luft zum Atmen genommen, ich musste da aus der Situation flüchten. 
Also wirklich abschalten ging auch da nicht, klar man war abgelenkt, weil’s eine andere Umgebung war und man den ganzen Tag etwas unternommen hat, aber gerade wenn man abends im Haus war oder so, sind die Gedanken immer wieder abgedriftet. Dennoch fand ich es wunderschön da und würde jederzeit wieder hinfahren.
Als wir dann nach Hause gefahren sind, hatte ich Angst, wovor genau wusste ich nicht. Ich denke es war die Angst vor den Erinnerungen und allem, was dann auf mich einprasseln würde.

Zurückfallen

Wir kamen nachmittags wieder zuhause an, total k.o. aber auch freudig wieder zuhause zu sein. 
Zu unserer Überraschung, hatte meine Schwiegermutter das Haus für uns aufgeräumt und geputzt. Wir mussten wirklich gar nichts mehr machen, sogar eingekauft hat sie für uns.
Wir haben dann erstmal alles ins Haus gebracht und uns auf die Couch gepflanzt. So schön der Urlaub auch war, zuhause ist es eben doch am Schönsten. 
Nach einer kleinen Pause, habe ich dann begonnen die Sachen auszupacken und wegzuräumen, ich wollte es einfach erledigt haben, da in zwei Tagen der Alltag uns wieder haben würde. Mein Mann musste wieder zur Arbeit, Sophie zur Schule und ich wollte wieder mein Studium aufnehmen.
Also räumte ich die Lebensmittel weg, die Hygieneartikel und die Kleider. Zuerst begann ich Sophies Sachen wegzuräumen und sortierte dabei auch gleich die Sommerklamotten aus, denn die würden ihr im nächsten Sommer definitiv nicht mehr passen. Auch sortierte ich die Wäsche aus, denn die wanderte direkt in den Wäschekorb.
Nach etwas über einer Stunde widmete ich mich meinen Klamotten und denen meines Mannes, da ich leider während des Urlaubs noch Umstandshosen tragen musste, sortierte ich diese auch direkt aus, denn ich wollte sie nicht mehr in meinem Kleiderschrank haben. Die anderen Klamotten hatte ich ja bereits vor dem Urlaub aus meinem Schrank verbannt. Als ich also die Klamotten auf dem Bett sortiert hatte, begann ich damit sie einzuräumen. Zuerst waren die Sachen meines Mannes dran und danach meine. 
Nach dem ich die Schublade meines Schrankes geöffnet hatte, hier bewahrte ich die Tops, T-Shirts und Pullis auf, traf es mich wie einen Schlag und ich brach zusammen. 
Meine Schwiegermutter hatte alle Umstandskleider wieder in meinen Schrank einsortiert. Eine Gefühlsflut prasselte auf mich ein, ich war wütend, traurig und einfach nur fertig. Ich brach zusammen und heulte und schrie.
Ich bin mir sicher, dass sie es nur gut gemeint hat, vermutlich auch gar nicht darauf geachtet hat, was sie da einsortiert hatte, aber in dem Moment war mir das alles zu viel. 
Mein Mann kam schließlich nach oben, bewaffnet mit einem Umzugskarton und räumte die Kleidung rein, dann hat er sie in den Keller gebracht. Auch er sagte mir, dass seine Mutter es wahrscheinlich nur gut gemeint hat. 
Heute, einige Wochen später, bin ich ihr auch nicht böse, ich weiß, dass es keine böse Absicht war, aber es war einfach zu viel. 
Ich hätte mir gewünscht, dass sie nicht einfach nur Klamotten in einer Reisetasche gesehen hätte, sondern darauf geachtet hätte, was auf den Etiketten stand.  Denn da stand groß und deutlich Mama Design drauf, dann hätte sie gewusst wieso sie in der Tasche waren. Da sind sie ja nicht ohne Grund drinnen gelandet.

Als wir eine Woche wieder zuhause waren, kam ein Brief von der Klinik in der die Ausschabung stattfand, wir wurden zur Bestattung unserer süßen Mila eingeladen. Ich wusste, dass dieser Brief kommen würde, doch auch er traf mich wie ein Schlag in die Magengrube. Es war der letzte Schritt zum Abschied nehmen. Abschied nehmen von unserem langersehnten und so sehr erhofften Wunschkind.  Der Termin war am 08. November 2017, darüber wird es dann in meinem neuen Eintrag gehen, denn dieser Tag, hat einen eigenen Eintrag verdient.

Die Sammeltbestattung

Jetzt ist er also gekommen, der Tag deiner Beisetzung. Dein Papa hat sich für heute sogar extra freigenommen, da die Kirche um 11 Uhr stattfindet. Wir sind um 6:30 Uhr mit deiner großen Schwester aufgestanden, haben uns fertig gemacht und sie zur Schule gebracht. Anschließend sind wir nach Hause, wir wollten frühstücken, doch irgendwie fehlte mir der Appetit. Alles in mir schrie, nein. Es ist falsch, dass wir dich beisetzen, dass du nicht mehr in meinem Bauch bist, beschützt und behütet. Mir war schlecht und ich war zittrig. um 10 Uhr sind wir dann zum Blumenladen und haben für dich zwei weiße Rosen geholt ( auf dem Bild die zwei rechts), die wir dir aufs Grab legen wollten. 
Gegen 10:40 Uhr kamen wir auf dem Waldfriedhof in Saarbrücken-Burbach an. Wir mussten dort in die kleine Kapelle gehen, in der der Gottesdienst sein würde. Außer uns waren nur noch 2 andere Elternpaare da, ich fragte mich in dem Moment, wie viele Eltern auch nicht wussten, dass ihre Sternchen bestattet werden. Dies machte mich noch trauriger, aber ich kann meine Tränen noch zurück halten.
Die beiden Pfarrer der Caritas Klinik St. Theresia kommen herein, geben jedem die Hand, stellen sich vor und reden noch kurz mit uns. Das finde ich sehr schön, da so das Ganze etwas persönlicher wird.
Die Pfarrer verlassen die Kapelle dann wieder und die Urne mit dir und den anderen Sternchen wird hereingetragen, sie ist wunderschön, weiß mit dem grauen Umriss eines Einhorns. Sie ist absolut perfekt und so passend. 
Als ich sie so betrachte fangen die ersten Tränen an, sich ihren Weg über mein Gesicht zu bahnen, dein Papa hält meine Hand dabei ganz fest. Der Organist beginnt ein wunderschönes Stück zu spielen und die zwei Pfarrer betreten die Kapelle erneut. Sie verbeugen sich ganz kurz vor eurer Urne und beginnen den Gottesdienst. Ich kann mir nicht alles merken mein Schatz, ich bin wie in Trance. Ich weiß nur, dass mich die Worte und die Musik sehr berühren und mir ein positives Gefühl geben. Ja ich kann sagen ich bin froh gerade hier zu sitzen und den tröstenden und kraft spendenden
Worten der Pfarrer zu lauschen.  
Nach etwa einer halben Stunde werdet ihr hinaus getragen, es regnet und wir laufen weinend eurer Urne hinterher. 
Euer Sammelgrab ist sehr schön und wir stehen eine zeit lang davor, ihr werdet hineingesetzt und wir dürfen uns von euch einzeln verabschieden. Meine Worte an dich sind:”Meine süße Mila, hab viel Spaß da oben mit deinem großen Bruder, deinem Opa und deinem Opa, wir werden uns bald wiedersehen und dann werd ich dich erstmal niederknutschen.” Wir haben euch Erde drauf geschüttet und uns neben euer Grab gestellt, dass ist so unreal, wie in einem Film. Ich kanns immer noch nicht glauben, dass das jetzt dein Platz ist. Das ich dich hier besuchen kann und mit dir reden kann, ohne dich jemals zu sehen. 
Allerdings stehe ich hier auch und frage mich ob dein großer Bruder auch so einen tollen Platz gefunden hat. Denn auch damals vor 9 Jahren habe ich nicht erfahren, was danach mit ihm passierte. Für mich fühlt es sich gerade so an, als hätte ich euch beide beigesetzt und mich von ihm auch verabschiedet. Aber ich werde da nachforschen und raus finden, was mit ihm passiert ist.

Nachmittags haben wir deine Schwester von der Schule abgeholt und sind mit ihr zu dir ans Grab gefahren. Sie wollte sich auch von dir verabschieden, sie hat mit dir ganz viel geredet und dir gesagt, dass sie dich lieb hat. 

Bis bald mein Engel, wir kommen ganz bald wieder!

Die Periode danach

Am Abend der Bestattung fing sie an, die erste Regelblutung. Acht Wochen hatte es nun gedauert bis mein Körper realisierte, dass da keine Mila mehr in meinem Bauch war. Acht Wochen in denen ich jeden Tag damit gerechnet hatte sie zu bekommen und nun?
Nun sitze ich hier auf Toilette und heule, heule einfach unerbitterlich. Auch wenn ich damit gerechnet habe, so sehr schmerzt es dennoch. 
Ich habe dich heute bestattet und als ob ich dafür noch eine Bestätigung brauche, dass du nicht mehr in meinem Körper bist, setzt meine Periode genau heute ein. Die Endgültigkeit an diesem Tag, sie reißt mir einfach den Boden unter den Füßen weg. Mila ich weine, ich weine um dich. All der Kummer, all der Schmerz, dass ist gerade einfach zu viel. Ich ertrage es nicht mehr, wieso durftest du nicht bei mir bleiben, wieso musstest du mich verlassen? Ich wollte doch dich, ich habe mich so auf unser First Date im April gefreut, habe mir ausgemalt wie es ist deinen Kinderwagen im Sommer spazieren zu fahren, mit dir zu planschen und und und… jetzt ist alles so surreal, so unwirklich…

Aber so hart es auch ist, diese erste Periode über mich ergehen zu lassen, mit all ihren damit verbundenen körperlichen und seelischen Schmerzen, sie zeigt auch, dass bei mir alles in Ordnung ist, dass die Wunden gut verheilt sind und Mama und Papa es noch einmal versuchen dürfen.
Das gibt mir Hoffnung mein Schatz, auch wenn ein weiteres Kind, dich niemals ersetzen kann oder wiederbringen kann, so wünschen wir uns dennoch, dass wir noch eins bekommen dürfen.
Du bist für immer unser kleiner Stern, wir werden dich so oft es geht besuchen, dir was kleines auf dein Grab legen und mit dir sprechen. Wir lieben dich und genau so sehr vermissen wir dich auch. 
Ich hoffe einfach, dass es mit der Zeit leichter wird, mit diesem Schmerz umzugehen, dass wir voll Freude von dir erzählen können und ohne den ganzen Schmerz. Denn wir sind stolz auf dich, du hast dich entschieden zu gehen, und was immer dich dazu bewogen hat, es war für dich bestimmt auch nicht leicht Mama und Papa zu verlassen.
Wir wissen dass du über uns wachst, uns beschützt und ganz bestimmt nicht möchtest, dass wir zu sehr weinen, sondern dass wir wieder lachen und fröhlich sein können. 

Ich denke, ich sollte versuchen, diese erste Periode als eine Art Neuanfang sehen, mein Schatz. Als neue Chance, oder?

Neuer Versuch wagen?

Jetzt sitzen wir hier und sind am Überlegen ob wir uns trauen oder nicht. Ich habe schon sehr große Angst, dass wir das nächste Kind auch wieder verlieren. Angst daran zu zerbrechen, wenn es passieren sollte. Angst dass meine Ehe daran dann zerbricht, denn mein Mann hatte es die letzten Monate wirklich nicht einfach mit mir. Ich war übellaunig, permanent angespannt, habe ohne ersichtlichen Grund einen Heulkrampf bekommen und der arme Kerl wusste gar nicht wie er reagieren sollte.  Und dennoch sitzt er jetzt hier mit mir und möchte noch ein Kind mit mir. An dieser Stelle, vielen Dank mein Schatz, dass du für mich da warst und mich ertragen hast, ich liebe dich!

Was mich am meisten verunsichert ist, dass wir nicht wissen warum ich die beiden Missed Abortion hatte. Bei den pathologischen Befunden hieß es jedes Mal es sei alles in Ordnung. Zu einem Spezialisten schickt mich meine Frauenärztin auch erst ab der dritten aufeinander gefolgten Fehlgeburt. Wenn ich wüsste wieso Fynn und Mila uns verlassen mussten, dann könnte ich aktiv etwas tun um das nächste Kind zu halten. Aber so, so ist es eine Reise ins Ungewisse. Ich nehme Folsäure ab Kinderwunsch und ab dem positiven Test, soll ich morgens und abends Progesteron vaginal nehmen. Aber Progesteron wird ja auch keine Fehlgeburt verhindern, sie stabilisieren einfach nur die Versorgung des Embryos. Es wäre alles so viel leichter, wenn ich eine weitere Fehlgeburt verhindern könnte…

Kennt ihr dieses Gefühl der Hilflosigkeit auch? Wie seid ihr damit umgegangen? Mich zerreißt es, zwischen Freude auf ein weiteres Kind und Angst vor einer weiteren Fehlgeburt. 
In dem einen Moment sage ich ja wir versuchen es und in dem andren denke ich über ein sicheres Verhütungsmittel nach. Auch meine Kleine redet jeden Tag davon, dass bald ein Geschwisterchen kommt und das strapaziert meine Nerven zusätzlich.

Nach langer Diskussion, vielen Tränen und Ausbrüchen, haben wir uns nun dafür entschieden es nochmal zu versuchen. Der Wunsch überlagert die Angst einfach. 

Fynn’s Grab

Nach Mila’s Bestattung, fragte ich mich was aus meinem ersten Kind geworden ist nach der Ausschabung, wo es hin kam, ob es auch bestattet wurde. Die Frage beschäftigte mich eigentlich schon länger, jedoch hab ich sie immer verdrängt, da ich niemanden hatte mit dem ich darüber reden konnte. Ich habe mich dann per E-Mail an die Seelsorge der Klinik gewandt, habe ihnen geschildert wann ich unter meinem Mädchenname meinen Sohn verloren habe und fragte nach ob man noch herausfinden könne, was danach mit ihm geschah. Nach ein paar Stunden erhielt ich eine Antwort von einem der Seelsorger, darin stand, dass auf dem Sternenfeld, auf dem auch Mila bestattet wurde, bereits seit mindestens 2002 die fehlgeborenen Kinder bestattet werden und mein Sohn auch da wäre. In dem Moment, als ich das las, fiel eine riesengroße Last von mir ab. Ich hatte endlich, nach 9 langen Jahren, einen Platz zum Trauern gefunden.
Ich bekam von ihm die Daten der Friedhofsverwaltung und telefonierte auch umgehend mit einem Mitarbeiter dort. Dieser erklärte sich bereit mir direkt an dem Morgen noch das Grab meines Kindes zu zeigen. Ich war so mega aufgeregt.
Ich würde gleich bei meinem Kleinen Prinzen sein. Ich machte mich schnell fertig und fuhr mit dem Bus dahin. 
Der Mitarbeiter war sehr freundlich und brachte mich zu Mila’s Sternenfeld, in diesem soll auch die Urne mit meinem Sohn sein, das freute mich, da so meine beiden Kinder zusammen sind. Ich wollte aber die genaue Position der Urne wissen und da musste er dann noch mal genau in den Plänen nachschauen. In dem Sternenfeld ist Platz für acht Urnenfelder. 
Wir gingen also nochmal zurück ins Verwaltungsgebäude und ich wartete darauf, dass er mir das Feld von Fynn’s Urne zeigen konnte. Nach ungefähr 40 Minuten kam er dann zurück und meinte zu mir, dass er sich geirrt habe und die Urne von Fynn in dem anderen zweiten Sternenfeld wäre, dieses wurde bis Mai 2009 genutzt und danach erst das von Mila.
Also gingen wir nochmal zurück und nun stand ich wirklich an Fynn’s Grab, ich war so erleichtert. Auch weil dies das einzige Feld war, um das sich noch aktiv gekümmert wurde. Das beruhigte mich sehr und ich versprach meinem Kleinen, dass ich ab jetzt auch aktiv darum kümmern werde. 
Mit meiner Familie war ich dann ein paar Tage später an Fynn’s Todestag wieder dort, wir haben eine Grabkerze hingestellt und Sophie schenkte ihm zum Geburtstag ihren Kuscheldelfin.
Ich fand diese Geste so süß von ihr, sie erklärte mir, dass sie ja zum Geburtstag auch Geschenke bekommt und sie deshalb ihrem Bruder auch etwas schenken möchte. In diesem Moment war ich so unendlich stolz auf mein kleines großes Mädchen.

Zeit zwischen Bestattung und Weihnachten

Nach der Bestattung von Mila und dem Finden von Fynn’s Grab, ging es mir immer schlechter. Ich war permanent gereizt, hatte Schlafstörungen, war manchmal drei Tage am Stück wach. Es war schwer für mich, mit dem neuen, blöden Alltag klar zu kommen, denn ich wollte ihn nicht. Ich wollte mit meiner dicken Kugel von Babyladen zu Babyladen schlendern, Kleidung kaufen, Kinderwagen aussuchen, einfach alles was ich jetzt hätte tun sollen. 
Aber das ging nun nicht mehr, es stand mir nicht mehr zu. Ich trauerte um Mila und um all die Erlebnisse, die ich mit ihr nicht haben durfte. Das Gemeine ist nur, ich sehe meine große Tochter an und weiß genau, wie sich all diese Erlebnisse angefühlt hätten. Den ersten Tritt, der erste Schrei, das erste Lächeln, das erste Wort, das Robben, Krabbeln, laufen usw. all dies würde ich nie erleben. Ich weiß nicht mal wie sie ausgesehen hätte und das bricht mir immer wieder das Herz. 

Ich gebe mir Mühe zuhause dennoch allem gerecht zu werden. Stehe jeden Morgen auf und mache die Große für die Schule fertig, bringe sie hin und mache dann den Haushalt. Danach lerne ich noch für die Uni und hole sie wieder ab. Kontrolliere ihre Hausaufgaben oder mache sie mit ihr zu Ende, lerne mit ihr noch oder wir lesen. 
Aber bei all diesen Dingen, bin ich nicht mit ganzen Herzen dabei und das macht mich fertig. Ich merke wie ich immer weiter in Richtung schwere Depression abrutsche und wie es mir immer mehr schwer fällt, all diese Dinge zu tun. 
Ich beschließe mir Hilfe zu suchen und kontaktiere meine ehemalige Therapeutin, ich schildere ihr genau was passiert war und wie es mir momentan geht. Ich erkläre ihr auch welche Ängste ich habe und dass es wirklich dringend ist.
Zwei Wochen später habe ich einen Termin bei ihr, es ging wirklich flott und wir redeten, d.h. ich redete und sie hörte mir zu. Es tat richtig gut, das alles mal rauszulassen und neue Denkweisen zu bekommen. Zu hören, dass es völlig normal sei, dass es mir gerade so geht und alles noch in einem angemessenen Rahmen statt findet. Das ich nicht labil und krank bin, aber es dennoch gut sei zu ihr gekommen zu sein, damit ich gar nicht erst an diesen Punkt komme. 
Wir beschließen gemeinsam, dass eine Therapie sinnvoll ist, gerade da ich ja eh schon mit Depressionen kämpfe. 

Ich kümmere mich um die Besorgung der Weihnachtsgeschenke, richtete Sophies Nikolauskörbchen und versuchte mich noch mehr auf meine Uni zu konzentrieren, da die letzten Wochen doch alles liegen blieb. Ich hatte in dieser Zeit noch vier weitere Gesprächssitzungen bei meiner Therapeutin und nach jeder ging es mir ein Stückchen besser. Ich war echt froh diesen Schritt gegangen zu sein. Weihnachten rückte immer näher, aber so richtig in Stimmung war ich nicht. ich hätte dieses Jahr wirklich darauf verzichten können, aber ich wollte es meiner Großen dennoch schön machen. Wir kauften einen Baum, dekorierten das Haus, planten was wir essen und so weiter. Aber ich hatte so gar keine Freude daran, schlimm nicht?!
Ich weiß nicht ob es an Mila’s Verlust lag oder daran, dass mein Opa letztes Jahr an Weihnachten gestorben ist, oder an beidem. 
Ich hoffe nur, dass ich mich eines Tages wieder an Dingen erfreuen kann, denn das ist kein Zustand auf Dauer. Ich will nicht einfach nur funktionieren, ich will wieder leben. 

Weihnachten war dennoch sehr schön, wir aßen alle zusammen mit meiner Familie zu Abend, Sophie bekam ihre Geschenke und mein Mann überreichte mir meine, es waren zwei Sternenbärchen und zwei gravierte Teelichtgläser für meine Gedenkecke. Er bekam von mir ein Fotobuch mit Bildern von unserem Urlaub.
Am nächsten Tag feierten wir mit seiner Familie bei uns zuhause, an diesem Tag ging es mir nicht gut, es war der erste Todestag meines Opa’s. Aber ich gab mir größte Mühe, dass man es mir nicht anmerkte. Wir aßen zusammen zu Mittag, packten auch hier wieder Geschenke auf und spielten den ganzen Tag. 

Silvester und die Wunschraketen

Nun war es also so weit, das Jahr ging zu Ende.  Das jahr, das mit einer Beerdigung anfing und für mich gefühlt auch mit einer endete. Es hat mir zwei wichtige Menschen genommen, meinen Opa und unsere Tochter.Es hat mir aber auch gezeigt auf wen ich immer zählen kann und zu wem ich lieber auf Abstand gehen sollte. Es hat es mir ermöglicht nach 9 Jahren am Grab meines Sohnes zu stehen und endlich einen Abschluss mit seinem Tod zu finden. Es hat mir sehr viel Kummer aber auch schöne Momente bereitet. Der positive Schwangerschaftstest, das erste US-Bild, die Einschulung unserer Tochter und der wunderschöne Urlaub in Spanien.
Ich wünsche mir, dass das Jahr 2018 etwas mehr Freude und Glück in mein Leben bringt, dass alle meine Lieben gesund bleiben und niemand von uns gehen muss.
Die letzten Jahre waren traurig genug, wir möchten wieder Spaß am Leben haben und es genießen können.

Silvester haben wir zusammen mit unseren Freunden bei uns zuhause gefeiert, Sophie durfte auch mit Party machen. Es gab Racelette und viel zu lachen, aber auch zu weinen. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass diese so bescheidene Jahr endlich vorbei ist. 2018, so haben wir es beschlossen, wird unser Jahr, mit neuen Projekten und Zielen. Wir wollen mehr als Familie gemeinsam machen, das Leben genießen und Leben als gäbe es kein Morgen, einfach den Moment genießen. Ohne Streit, Stress und Hektik, denn das Leben ist einfach viel zu kostbar um unnötig Zeit zu verplembern. 

Wir wollen weiterhin an unserem Wunsch, nach einem weiteren Kind festhalten, auch wenn nicht alle damit einverstanden sind aus unserem Umfeld. Ich möchte mein Studium wieder fortsetzen und richtig Gas geben, um die verpasste Zeit aufzuholen. Wir wollen mehr mit Sophie unternehmen und einfach leben. Die letzten Wochen und Monate habe ich einfach nur noch funktioniert und dieser Zustand kann einfach nicht von Dauer sein. 

Ich habe mich mit meiner Klinik zusammen gesetzt und wir möchten nun in Zusammenarbeit eine Selbsthilfegruppe für Eltern von Sternenkindern gründen. Bis das Angebot komplett steht wird es noch einige Wochen dauern, aber ich denke es wird sich wirklich lohnen, auch wenn ich den Start kaum erwarten kann.

Am 31.12.17 um 24 Uhr haben wir vier Raketen in den Himmel geschossen, eine für jedes unserer Sternchen mit einem kleinen Gruß von uns, eine für meine Opa, ebenfalls mit einem Gruß von uns und eine Wunschrakete. Ich hoffe sie sind alle dort oben angekommen und der Wunsch für 2018 wird sich erfüllen.

Was mir auf dem Herzen liegt

Was mir schon lange auf dem Herzen liegt, was mir immer wieder aufstößt, ist, dass sich andere anmaßen über uns Sterneneltern zu urteilen. Wir haben unsere Kinder verloren, zuhause alleine, im KH durch Ausschabung oder still geboren. Für niemanden von uns ist das leicht und jeder von uns geht anders damit um, immerhin ist auch jeder von uns verschieden. 
Nur weil eine Bekannte aus dem Familien- oder Freundeskreis gar nicht trauert, oder weniger als wir, heißt das nicht, dass wir das auch zu tun haben. 
Nur weil ich meine Kinder in der 8. und 11. Woche verloren habe, heißt das nicht, dass ich nicht mehr trauern darf (nach 9 Jahren und 5 Monaten). 
Nur weil ich einmal die Woche an den Gräbern meiner Kinder stehe, nach dem Rechten sehe, neue Blumen hinstelle oder sonstiges, heißt das nicht, dass ich krank bin. 
Ich bin traurig! 
Ich habe mein Kind/ meiner Kinder verloren und begraben müssen, auch wenn es für viele noch keine “Kinder” in dem Sinne waren. AB dem positiven Test, habe ich dieses kleine unschuldige Wesen in mir geliebt. ich habe ihm versprochen, dass ich es liebe und mich immer um es kümmern werde. Ich habe ihm versprochen immer für es da zu sein und dass es ihm an nichts fehlen wird.
Statt meinen dicken Bauch stolz spazieren zu tragen, den Kinderwagen auszusuchen, das Kinderzimmer einzurichten bleibt mir nichts anderes, als ihr/e Erdenbettchen hübsch zu machen. 
Und genauso geht es vielen anderen Sternenmamas und Sternenpapas auch.

Mit meinem Kind/meinen Kindern ist ein Teil von mir gestorben. Genauso geht es vielen anderen Sterneneltern auch, wir wollen nicht verurteilt werden, wir wollen endlich gehört und ernst genommen werden!
Wir sind viele, nicht nur ein paar, wir sind viele und wir sind nicht alleine, wir haben uns. 
Nehmt uns endlich ernst, tröstet uns, wenns uns schlecht geht, helft uns aus diesem Loch rauszukommen, aber lasst uns dabei über unsere Kinder reden.

Es sind unsere Kinder, egal ob lebend oder tot, Kinder wie wir lieben. Kinder die manche nur kurz und andere nie in ihrem Arm halten durften. Kinder, die es wert sind, dass man von ihnen erzählt, die es wert sind gekannt zu werden. 

Mir persönlich hilft es über meine Kinder zu reden, denn mit jedem Mal, tut es weniger weh. Es wird normal. Ich werde meine Kinder niemals vergessen, denn wie könnte ich das? Ich will das auch überhaupt nicht. Aber die trauer wird irgendwann weniger, dass habe ich durch meinen Sohn schon erkannt. Jedoch dauert es. Gebt uns die Zeit, die wir brauchen und verurteilt uns nicht, wenn die Zeit in euren Augen zu viel ist. 

Was mir auch noch wichtig ist, denkt auch an die Folgewunder oder die Kinder, die bereits da sind, die den Verlust also mitbekommen haben. Auch die Folgewunder haben ein Recht, von ihren Geschwistern zu erfahren. Meine Tochter ist stolz darauf einen großen Bruder zu haben, der ein Engel ist und der auf sie aufpasst. Sie hat den Verlust ihrer Schwester mitbekommen, die Schwester, die sie sich über Jahre gewünscht hat. Auch sie hat ein Recht auf ihre Trauer, denn auch sie hat jemanden verloren. Sie hat meinen Bauch gestreichelt und geküsst, sie hat ihr gesagt, dass sie sie lieb hat. 

Wieso, in Gottes Namen, verbietet ihr uns und unseren Familien diese Trauer? Wieso sollen wir nach ein paar Tagen die alten sein? Wie sollte das bitte schön gehen? 

Traumdeutung

Heute morgen bin ich noch vor dem Wecker, der um 06:30 Uhr klingelt, wach geworden.  Alles andere als erholt.
Ich weiß nicht, ob dieser Traum schon in den Bereich Alptraum fällt, denn eigentlich hatte er ein Happy End. Etwas ganz anderes hatte mir so zugesetzt. Doch ich erzähle ihn euch einfach mal von vorne.

Ich hielt also tatsächlich einen positiven Test in der Hand, an meinem 29. Geburtstag. Die Freude war riesig und so rannte ich direkt zu meinem Mann um ihm von diesem tollen Geburtstagsgeschenk zu erzählen. Auch er freute sich sehr und wir vielen uns freudestrahlend in die Augen. Ich machte einen Termin bei meiner Frauenärztin und beim ersten Ultraschall sah man nur eine kleine Fruchthöhle. Wir hofften beide, dass sich noch ein Embryo einnisten würden und die Schwangerschaft intakt war. Ich musste zwei Wochen später hin, ich war total nervös und hatte Angst, hatte ich doch erst Mila verloren. Aber auch bei diesem Termin war alles gut und ich sah unser kleines Würmchen mit einem starken Herzschlag. Ich war unheimlich erleichtert und schickte meinem Mann ein Foto des US-Bildchen bei Whats App, ich erhielt außerdem meinen Mutterpass und war happy. Der nächste Termin war in 4 Wochen, der Termin in exakt der gleichen Woche, in der bei Mila der fehlende Herzschlag festgestellt wurde. Ich hatte solche Angst davor. Ich stand an diesem Tag vor der Praxis, mit Schweißausbrüchen und war nur am zittern, ich legte meine Hand gefühlte 100 Mal auf die Türklinke und nahm sie wieder weg. “Reiß dich zusammen, es wird alles gut.”, ermahnte ich mich selbst. Ich drücke die Tür auf und trat ein. an der Anmeldung legte ich meinen Mutterpass vor und nannte meinen Namen. Ich musste noch im Wartezimmer Platz nehmen. Total hibbelig wie ich war, meine Knie zitterten und ich konnte kaum still sitzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die eigentlich nur 5 Minuten betrug, durfte ich zur Hebamme. Sie maß meinen Blutdruck, wog mich und klebte die Zettel von der Blutuntersuchung ein, dann durfte ich in den raum für den Ultraschall. Meine Ärztin forderte mich auf mich auszuziehen und auf dem Stuhl Platz zu nehmen. Sie merkte meine Anspannung und versuchte mich zu beruhigen. Und als ich ein Lächeln auf ihrem Gesicht sah, da wusste ich es ist alles gut. Es wird alles gut. Ich war jetzt 10+4 und das Herzchen unseres kleinen Aliens schlug immer noch kräftig. Juhuuuuuuuuuu, auch nach diesem Besuch schickte ich meinem Mann wieder ein Bild über Whats App und ging in den Karstadt und kaufte einen neutralen Strampler, denn ich wollte mir und dem Baby sagen, dass alles gut wird. Dass ich es in 30 Wochen gesund und munter zur Welt bringen werde. 
Der nächste Termin ist dann bei 14+2 und ich hoffte, dass man dann das kleine Alien schon mehr als Baby identifizieren können wird. Ich freute mich so, mein Bauch wuchs und wuchs und ich war stolz darauf. Und schon war der Tag gekommen, wieder kam ich zuerst zur Hebamme und dann erst zur Ärztin und ich sah unser kleines Mäuschen, wie es mit den Armen ruderte und sich wohl zufühlen schien. Sie meinte, dass wir beim nächsten Termin vielleicht schon erkennen können, was es wird. Oh Mann, was soll es denn werden? Ich habe keine Ahnung, ich nehme beide Geschlechter, Hauptsache mein Würmchen bleibt bei mir. 
Bei 18+5 hatte ich also den nächsten Termin, die Wochen gehen so langsam rum, bis zum nächsten Termin. Ich lenkte mich ab und unternahm mit meiner Familie viel. Die Hebamme nahm nochmal Blut ab und nahm die ganzen Maße zum eintragen, im Untersuchungszimmer legte ich mich auf die Liege und schob schon mal meinen Pulli hoch. In freudiger Erwartung meinen kleinen Schatz zu sehen. Die Ärztin fragte noch wies mir geht, während sie alles für den Ultraschall vorbereitete. Mir ging’s blenden, ganz im Gegensatz zu meinen anderen Schwangerschaften, entweder mir war damals dauer übel oder ich hatte von allem Sodbrennen. Und dann sah ich unseren Schatz, fröhlich strampelnd in meinem Bauch, ich spürte die Bewegungen ganz leicht, wie so ein blubbern. Doch meine Ärztin sah nicht ganz so zufrieden aus und ich bekam Angst. Ich fragte sie was denn los sei und sie meinte es wäre etwas zu klein und zu zart, aber ich sei ja auch nicht gerade riesig und das wäre alles noch im Normbereich. Ich solle mir keine Sorgen machen, sie würde mich nur gerne dann in zwei Wochen nochmal sehen, um auf Nummer sicher zu gehen. 
Okay, tief durchatmen alles wird gut, als ich die Praxis verlassen hatte, blieb ich stehen, legte meine Hände auf meinen Bauch und sagte:” Mäuschen, du bleibst da drin, bis zum Schluss und dann kuscheln wir ganz viel und werden noch ganz viel zusammen erleben.” Meinem Mann schrieb ich, dass alles okay ist und das Mäuschen sich sehr viel bewegt hat, auch ein neues Bild fügte ich bei. Ich wollte ihn auf Arbeit nicht wieder beunruhigen, so wie ich ihn kenne, hätte er alles stehen und liegen lassen. 
Ich redete jeden Tag noch mehr als eh schon mit unserem kleinen Schatz, erzählte ihm , was wir alles vor hatten, wie sein Zimmer werden würde und und und. Ich wollte das es jetzt erst Recht merkt, dass es geliebt wird. Zwei Wochen später bei 20+3 betrat ich die Praxis erneut mit viel Bauchweh, weil ich mir Sorgen machte, was diesmal bei der Untersuchung herauskommen würde. Ich spürte meinen Bauchbewohner nun immer deutlicher und es beruhigte mich etwas. Wieder ging ich zuerst zur Hebamme und dann ins Untersuchungszimmer, ich legte ich auf die Liege und krempelte mein T-Shirt hoch. Sie fragte mich ob alles okay sei und ich sagte ja und dass ich unser Baby deutlich spüre. Sie nickte erleichtert, machte das Gel auf meinen Bauch und schallte. Der oder das Kleine war wieder recht aktiv und ich freute mich. Sie sagte erneut, dass es leichter ist und kleiner als es in dieser Woche üblich ist, aber dass es auch sein könne, dass der Geburtstermin nicht ganz stimmt. Sie wolle ihn jetzt aber nicht korrigieren, sondern erstmal noch so stehen lassen. Meist würden die Kleinen gerade in den letzten Wochen noch ordentlich zunehmen. Ich solle in zwei Wochen zur Feindiagnostik gehen, um zu schauen ob alles okay ist mit den Organen, aber soweit würde alles gut aussehen. ich freute mich sehr, denn dann kann mein Mann mitkommen und wir haben viel länger Zeit unser Mäuschen zu begutachten und kennen zulernen. 
Der Termin verlief zunächst super, das Kleine bewegte sich viel und alles organische war in Ordnung, doch auch diesem Arzt machte das Gewicht und die Größe Sorgen. Er schallte nochmal explizit Fruchtwasser und Nabelschnur und meinte dann, es könne sein, dass es etwas unterversorgt wäre und empfahl uns alle zwei Wochen zur Ärztin zu gehen um reagieren zu können, wenn was wäre. Ich solle mich schonen , anstrengende Tätigkeiten vermeiden. 
Nach dem Termin rief ich direkt in der Praxis an und bat um einen Termin in zwei Wochen, dann würde ich 24+ sein, ich bekam einen für 24+5 . 
Ich war die ganze Zeit total angespannt, hatte Angst das Kleine zu gefährden und wollte alles richtig machen. Diese zwei Wochen waren einfach nur ätzend und ich war so froh, als ich wieder zur Ärztin konnte, in der Hoffnung dort beruhigt zu werden. Eine Bestätigung dafür zubekommen, dass alles was ich machte das Richtige war. 
Ich wartete aufgeregt darauf, dass die Ärztin den Raum betrat und zu schallen begann, dem Kleinen ging es gut, doch es war etwas ruhiger als sonst. Und meine Ärztin sah sehr angestrengt auf den Bildschirm, ich begann mir Sorgen zu machen. “Frau H. hatten sie mal etwas Flüssigkeit verloren?” fragte sie mich. Ich antwortete ihr, dass mir nichts gravierendes auffiel, wieso sie das fragte. Daraufhin meinte sie, dass das Fruchtwasser weniger geworden wäre. Es wäre zwar noch genug da, aber sie wollte der Sache dennoch auf den Grund gehen. Ich solle mich weiterhin schonen und viel ausruhen. 
Den nächsten Termin gab es für 26+4, wieder zwei Wochen gedulden und Angst haben. Wieder zwei Wochen bangen, dass danach alles weiterhin in Ordnung wäre. Wieder wurde geschallt und wieder hieß es, dass erneut etwas Fruchtwasser fehle, aber es wäre weiterhin in der Norm.  Nächster Termin war dann bei 29+2, ich dachte dieses Mal, dass es wieder heißen würde, alles okay, und bitte weiterhin schonen. Daher ging ich schon beruhigter in den Untersuchungsraum. Doch ich sollte mich irren, es fehlte zu viel Fruchtwasser und ich dachte nur ‘das lange Guten Morgen Pipi’, dabei hab ich mir dabei nichts gedacht, war ich doch am Abend früher ins Bett als sonst. 
Ich fragte sie, was denn nun zu bedeuten hatte, und sie meinte sie gibt mir eine Überweisung für die Klinik mit und ich solle da schnellstmöglich hin. Ich war wie in Trance, rief meinen Mann an und sagte er soll bitte zur Klinik kommen, es stimme etwas nicht. Es erinnerte mich an den Anruf bei Mila, da sagte ich ihm genau das gleiche. 
Wir trafen zeitgleich dort ein, ich war völlig aufgelöst und hatte panische Angst. Ich musste warten bis ich untersucht wurde, ich lief auf dem Flur auf und ab, hinsetzen konnte ich mich einfach nicht. Obwohl es vielleicht vernünftiger gewesen wäre. 
Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte ich ins Zimmer, erklärte kurz meine Situation und wurde dann ein weiteres Mal untersucht. Dann wurde gefragt wann ich zuletzt etwas gegessen hätte, ich antwortete, dass es ca. 3 Stunden her sei und fragte warum. Man sagte mir, dass mein Kind unterversorgt wäre und keine Zeit bliebe um das fehlende Fruchtwasser von selbst wieder auffüllen zu lassen. Sie müssen unser jetzt sofort holen. 
Ich hörte zwar was man mir sagte, aber ich begriff die Worte nicht. Ich kam in den OP, bekam den Zugang gelegt, wurde noch nach Unverträglichkeiten und Allergien gefragt und schon gings los.
Ich wurde nach einer Weile wach und fragte direkt nach unserem Kind. Mein Mann war bei ihm wurde mir gesagt, aber wenn ich wollte würde man ihn rufen. Ich schüttelte den Kopf, unser Kind brauchte ihn gerade mehr als ich. Ich beschloss noch etwas zu schlafen, die Narkose war noch nicht ganz aus meinem Körper, als ich dann wieder aufwachte, saß mein Mann an meinem Bett und hielt meine Hand. Ich lächelte ihn schwach an und sagte hi. Er schaute mich auch an und fragte mich wies mir geht. Ich sagte ihm ich wolle unseren Sohn bei mir haben und ich wolle unser Baby sehen. 
Er nickte und meinte, dass die Schwester sagte, dass man mich mit dem Rollstuhl auf die Frühchenstation bringen würde. Ich war erleichtert, auch wenn der Wechsel von Bett zu Rollstuhl nicht angenehm war. 
Dort angekommen, kam auch seine Mama mit unserem anderen Kind, Fynn. ich knuddelte ihn und küsste ihn von oben bis unten und sagte ihm das alles okay ist. 
Dann durften mein Mann und ich zu unserem Baby, Fynn durfte nicht mit hinein. Wir gingen bzw. ich rollte zum Inkubator und musste erstmal schlucken, so klein, die ganzen Schläuche. Man erklärte mir, dass er Probleme mit dem Atmen und schlucken hatte, aber dass die Schläuche in zwei bis drei Wochen weg kommen würden. Und das er, wenn er denn selbstständig trinken würde und etwas zugenommen hätte dann nach Hause dürfte. Er, es war ein Junge. 
Die ganzen letzten Wochen, hatte er aus seinem Geschlecht ein riesen Geheimnis gemacht, so dass jeder meinte es würde ein Mädchen werden, immerhin zieren doch nur die sich so. 
Ich war glücklich, unserem kleinen Mann ging es gut und all die Anspannung der letzten Wochen wich Freude. Wir blieben noch etwas bei ihm, machten Fotos, hielten seine Händchen und redeten mit ihm. 
Wieder auf dem Flur zeigten wir Fynn die Bilder, und plötzlich viel mir ein, dass uns noch ein Name fehlt für unser Glück. Und dann meinte Fynn, “Henry, er muss Henry heißen.”


An diesem Punkt bin ich aufgewacht, klatschnass und total fertig. Alles war so verdammt real und fühlte sich echt an. 
Fynn ist mein ersten Sternenkind, seit 9 Jahren ist er bei den Engeln und Henry, Henry ist der Name, den wir uns für einen Jungen überlegt hatten. 
Ich weiß gar nicht was ich denken soll, ich bin total aufgewühlt und durcheinander, zum einen habe ich Fynn seit langem Mal wieder in einem Traum gesehen und zum anderen von einem Folgewunder geträumt. Aber ich will mir jetzt auch nicht zu viel Hoffnung machen, mich darauf versteifen, dass es geklappt haben muss, zu mal mein Eisprung erst gestern war oder morgen ist. 

Blöder Kinderwunsch

Dies ist jetzt schon der dritte Anlauf für diesen Blogeintrag, bisher hat mit keiner gefallen vom Aufbau und Inhalt her. Sie waren total wirr und durcheinander. Wobei das meiner momentanen Verfassung ganz gut entspricht.

Wir versuchen nun seit 5 Monaten erneut schwanger zu werden. Ich schreibe ganz bewusst wir, denn da gehören zwei dazu. Ich weiß nicht was schlimmer ist, die Angst dass es klappt oder die Angst dass es nicht klappt.
Denn wenn es klappt hab ich die Angst es wieder zu verlieren und wenn es nicht klappt, habe ich die Angst dass es nie klappen wird. Total bescheuert ich weiß.

An manchen Tagen bin ich kurz davor meinen Kinderwunsch über Bord zu werfen und mir die Spirale einsetzen zu lassen. An anderen wiederum würd ich am liebsten alle 5 Minuten einen Schwangerschaftstest machen. Total bescheuert ich weiß.

An anderen Tagen will ich mir Ovu’s, Ava Armband, Bryo und alles mögliche bestellen um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Dabei will ich kein Babyzilla werden, ich will total gechillt sein und Spaß an der Sache haben. Ich will keinen Druck, weder für mich noch für meinen Mann. 

Zurzeit nutze ich nur die EisprungApp und das dazugehörige Forum, damit ich weiß wann meine fruchtbaren Tage und der Eisprung sind und wann ich meine Periode bekommen soll. Aber selbst das scrollen und schauen in dem Forum machen mich kirre. Bei manchen klappt es schon im ersten ÜZ und andere sind bereits im 41. ÜZ. Man bekommt mit was sie alles nutzen und machen und doch ist es vergebens und andere machen gar nichts und zack schwanger.

Darf man das dann unfair finden? Darf man sich dann fragen, was zur Hölle stimmt mit mir nicht? Oder gönnt man es dann der anderen nicht und wird direkt als Neidhammel abgestempelt?
Dieser permanente Eiertanz, immer aufpassen was man sagt und wie man sich äußert, damit man ja niemandem zu nahe oder auf den Schlips tritt, finde ich so mega anstrengend. Bei uns Sternenemamas passt doch auch niemand bewusst auf, dass er uns nicht zu nahe tritt oder? Wieso wird es dann von uns erwartet? 

Wie geht ihr damit um? Kann man damit überhaupt klar kommen? Denn ich schaffe es nicht, weder mit dem Spießrutenlauf noch mit dem Kinderwunsch und der damit verbundenen Angst. 

Gräber meiner Kinder

Ihr wundert euch bestimmt, dass ich “Die Gräber meiner Kinder” geschrieben habe. Mila ist unser Kinder, aber Fynn ist nicht das Kind von meinem Mann. Und das in den Titel zu schreiben wäre etwas kompliziert 🙁

Wer von euch hat denn auch ein Sammelgrab, da das Kind/die Kinder weniger als 500gr gewogen haben? Wie sehen eure Gräber/Grabecken aus?

Ich bin so unzufrieden mit meinen, ich bin eigentlich bis auf zwei andere Mama’s/Familien, die Einzige die das Grab schmückt und dekoriert. Was ich persönlich sehr schade finde, ich hoffe aber, wenn im Mai die nächste Bestattung ist, dass dann andere Mamis auch dekorieren und das Sammelgrab nicht mehr ganz so trostlos und verlassen wirkt. 
Die anderen Gräber sind von 2017-2015, was ja noch keine Zeit ist und ich denke man trauert doch immer um seine Kinder. Von der Bestattung im Nov. 2017 sind wir die einzige Familie die eine Ecke gestaltet hat. Ich finde es so traurig, dass die anderen Sternchen keine Beachtung geschenkt bekommen 🙁
Desto größer ist bei mir daher das Bedürfnis es meinen Engeln noch schöner zu machen. Ich habe heute zwei Grabkreuze bei der wundervollen Jennifer bestellt von Erinnungsstücke für Verstorbene und Sternenkinder (Facebook), die ich dann bald auf die Grabecken machen werde, denn im Frühling kommen Herzpflanzenschalen drauf und die Fliesen kommen weg. Sie sind ja leider auch etwas mitgenommen vom Winter. Ich hoffe das unsere Ecken dann auch etwas fröhlicher und bunter aussehen. 

Viele fragen mich, wieso mir ein schönes Grab wichtig ist. Meine Antwort ist dann meist:” Weißt du, bei einem Kinderzimmer würde man mir diese Frage gar nicht erst stellen, Kinderzimmer sollen bunt, fröhlich und schön sein. Für mich ist das Grab meines Kindes, sein Kinderzimmer, es soll ihm gefallen und bunt und fröhlich sein.”.

Leider verstehen diese Antwort nur wenige Außenstehende, denn für sie sind Gräber etwas kaltes,totes und trauriges. Klar ist es traurig, aber ich denke lieber voller Freude und Liebe an meine Kinder, ich schenke ihnen lieber meine Liebe, als sie dort alleine zulassen.  Auch finden es einige übertrieben, dass ich alle zwei Wochen an die Gräber gehe und nach dem Rechten schaue, mit meinen Kindern rede und ihnen frische Blumen bringe.  Ich verstehe aber nciht wieso, Sophie habe ich jeden Tag um mich, rede mit ihr, spiele mit ihr und und und. Bei meinen Engel kann ich das nicht. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich froh, wenn sie hier bei mir im Ort bestattet worden wären, denn dann könnte ich jeden Tag bei ihnen sein. Aber so ist es etwas umständlicher, da ich aufgrund meiner psychischen Erkrankung keinen Führerschein machen möchte. Was ist so verwerflich daran, sie in meinen Alltag zu integrieren, ihnen zu erzählen wie es mir geht und einfach nur bei ihnen zu sein?
Ich finde nichts, aber das könne meist nur andere Sterneneltern nachempfinden. Da liegt mein Kind, das ich von der ersten Sekunde des Wissen von ihm überalles geliebt habe und das ich jede Sekunde schmerzlich vermisse. Bitte akzeptiert es doch einfach, ihr müsst es nicht mal verstehen, denn das könnt ihr nicht, aber redet mir meinen Umgang mit meiner Trauer nicht schlecht, denn er hilft mir nicht zusammenzubrechen und stark zu sein, für meine Familie.

6 Monate ohne dich

Dieses Bild ist 6 Monate und 1 Tag alt, das letzte Bild von dir… Doch da hast du schon nicht mehr gelebt.  An dem Tag des Fotos, bin ich auf einen Secondhand-Markt gegangen, habe dir Kleider gekauft und sie stolz deinem Papa und deiner Schwester gezeigt. Jetzt sind sie in einem Karton im Keller und warten darauf, vielleicht irgendwann deinem kleinen Geschwisterchen angezogen zu werden, sofern eins folgen wird. Das Babybett das wir zwei Tage vorher gekauft haben, habe ich in Luftpolsterfolie gepackt und es zu deiner Oma gebracht, ich habe seinen Anblick einfach nicht ertragen. Meine Umstandskleidung sind in einer Reisetasche und befinden sich ebenfalls im Keller. 

Alles was mir bleibt mein kleiner Schatz sind Fotos und die Momente, die ich ganz fest in mir zu bewahren versuche, in der Hoffnung dass sie niemals verblassen werden. Dir dein kleines Grab so schön und liebevoll, wie möglich zu gestalten und dir so zu zeigen wie groß meine Liebe zu dir ist. 
Ich bin stolz mich deine Mama nennen zu dürfen, denn du hast mir gezeigt was es heißt stark zu sein, stärker zu sein als ich je dachte sein zu können. Du hast mir gezeigt, was bedingungslose Liebe bedeutet, denn davor war mir nicht klar wie groß sie ist. Du hast mir gezeigt was es heißt sein Herz zu beerdigen, denn diese Erfahrungen fehlten mir bei deinem Bruder alle.

Seit 6 Monaten versuche ich mein Herz zu reparieren, versuche wieder zu mir selbst zu finden und das meine Beziehung mit deinem Papa funktioniert. Das alles gelingt mir mal mehr und mal weniger gut, die Beziehung mit deinem Papa macht mir momentan das meiste Kopfzerbrechen. Wir diskutieren viel über dich, bei den Dingen die ich fürs Grab kaufen möchte und kommen nie auf einen Nenner. Ich habe immer das Gefühl, dass ihm meine Art zu Trauern nicht passt oder zu viel ist, aber wenn ich versuche mit einzuschränken, dann geht es mir schlecht. Ich rede mit ihm kaum über dich, eigentlich lasse ich meine Gedanken und Gefühle nur zu wenn ich alleine bin. Aber es wäre viel schöner, wenn ich diese mit jemandem teilen könnte. Und am idealsten mit deinem Papa, aber ich glaube das wird nie so sein, wie ichs mir wünsche. Dafür sind wir beide viel zu verschieden, aber es nicht nur das, dein Papa hat manchmal eine Art an sich, die mich zur Verzweiflung treibt. Damit möchte ich dich aber nicht belämmern, denn du wünscht dir bestimmt, dass wir wieder glücklich werden und wieder lachen können.

Genau das wünsche ich mir auch mein Schatz! Ich liebe und vermisse dich so unendlich, du fehlst hier, immer…für immer!

Was von mir erwartet wird

Immer wenn es mir scheiße geht hole ich mein Bärchen und knete und knuddele es durch. Eigentlich liegt es den ganzen Tag auf meinem Kopfkissen, mittlerweile kann ich ohne es neben meinem Kopf liegend, nicht mehr einschlafen. Dort liegt es bereits seit mehreren Monaten und ich habe mich total an es gewöhnt. 
Heute ist allerdings so ein Tag an dem es mir richtig, richtig scheiße geht. Es ist einfach alles zu viel, ich bin zittrig, mir ist übel und in meinem Kopf dreht sich unaufhörlich ein Gedankenkarusell, aber ich fange am besten von vorne an.

Vor über drei Jahren wurden bei mir Depressionen diagnostiziert, am Anfang war es richtig hart für mich damit klar zukommen. Ich war einfach nicht mehr ich selbst. Hatte an nichts mehr Lust und wirklich alles hat mich aufgeregt und komplett überfordert. Manchmal war ich zwei Wochen nicht duschen, weil ichs einfach nicht schaffte in die Dusche zu steigen. Menschen haben mich überfordert, deshalb habe ich mich zuhause verkrochen, manchmal ist es heute noch so.
Mittlerweile kann ich damit ganz gut umgehen, ich erkenne die frühen Anzeichen und versuche dagegen zu steuern, mache dann Sachen, die mir gut tun und mich ablenken. Viele merken, dass Depressionen und Trauer vieles gemeinsam haben. 

Wie viele schon mitbekommen haben, trauern mein Mann und ich auf völlig unterschiedene Art und Weisen. Er konnt‘s relativ gut wegstecken und hatte seinen normalen Alltag schnell wieder, während ich arg in den Seilen hing und in meinen Depressionen heftigst zurückgeschleudert wurde. Unsere Ehe ist nicht immer Friede-Eitel-Sonnenschein, wir streiten uns auch mal meist wegen Banalitäten. Oft auch weil wir nicht mit den Eigenarten des anderen klar kommen. Ich muss dazu sagen unser Start war nicht leicht und die ersten Jahre auch nicht. Manchmal denke ich, wir kommen nicht damit klar, wenn mal alles gut läuft. 
Meinen Blog , die Facebook-Seite und den Instagram-Account hab ich ins Leben gerufen, weil ich meinen Mann mit der Art meiner Trauer nicht belasten wollte. Ich beneide meinen Mann regelrecht darum , wie gut er mit der Situation klar kommt, im Gegenteil zu mir. Wo er doch sein erstes Sternenkind hat, zum ersten Mal da durch musste. Hätte ich das nicht besser wegstecken müssen, da es mein zweites Mal war? Müsste ich nicht die Starke sein und er der Schwache? Stattdessen ist es umgekehrt und genau mit solchen Gedanken geht es mir schon scheiße genug. Wenn dann noch Außenstehende meinen ihren Senf dazugeben zu müssen, mir einreden zu müssen, dass meine Art der Trauer nicht die Richtige ist, dass ich loslassen muss, nach vorne schauen muss und wieder glücklich sein muss… Dann würde ich ihnen gerne ins Gesicht schreien, dass ich genau das versuche. Verdammt nochmal, ich versuche jeden Tag wieder zu Leben. 
Jeden gottverdammten, beschissenen Tag kämpfe ich darum, mir mein Leben ein Stück weit wieder zu holen. Habt ihr auch nur die geringste beschissene Ahnung wie sau schwer das ist? Wie schwer es ist, sich nicht zu fragen was heute wäre, wäre sie noch in meinem Bauch? Wie sie sich anfühlen würde, ihr Treten, ihr Boxen, wenn sie Schluckauf hätte, wie viele US-Bildchen ich jetzt hätte und wie ihr Herzschlag klingen würde? Nein! Also mischt euch verdammte scheiße nicht in meine Trauer ein. Ihr habt Erwartungen an mich, die ich nicht erfüllen kann und auch nicht erfüllen werde. Findet euch damit ab oder verpisst euch aus meinem Leben, ganz ehrlich. Denn auf Vorwürfe oder Monologe wie ich mich zu verhalten habe, kann ich verzichten. Ich werde nie wieder so sein wie vorher! Und ich will es auch gar nicht, denn ich habe einen Teil von mir verloren und begraben. Das ist nicht fair und das sollte so nicht sein. Mila wäre nächsten Monat zur Welt gekommen, ich stünde jetzt 3 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Wenn es eurer Meinung nach nicht normal ist da traurig zu sein, dann muss ich euch leider mitteilen, dass ihr hier die Abnormalen seid und nicht ich!
Ratschläge wie ich brauche Hilfe und ich solle mich untersuchen lassen sind ebenso unangebracht, denn darüber entscheidet nicht ihr, sondern ganz alleine ich. Die Untersuchungen bei einem Spezialisten werden erst ab der mind. zweiten aufeinander folgenden Fehlgeburt von der Krankenkasse übernommen. Zwischen meinen Fehlgeburten liegen 9!!! Jahre und ein gesundes Kind, dazu kommen noch zwei verschiedene Väter, ergo bekomme ich diese Untersuchungen gar nicht. Es mag ja sein, dass alles gut gemeint ist und ihr euch sorgt, dass ist auch nett. Aber das Verhalten verletzt leider auch, denn man fühlt sich bevormundet und in die Enge gedrängt, weil man das Gefühl hat zu versagen und alles falsch zu machen. Dabei versuche ich nur mit dem Verlust meines Kindes klar zu kommen und wieder positiver in die Zukunft zu sehen. Ich habe mein Studium wieder aufgenommen, unternehme Sachen mit Freunden, albere mit Sophie herum, gehe mit ihr ins Kino oder mache andere Dinge mit ihr. Ich habe an diesen Sachen endlich wieder Spaß. Lasst mir diese kleinen Erfolge und erwartet keine drei Meter Sprünge von mir, denn wie gesagt, die kann ich nicht hinlegen. Entweder ihr kommt mit mir so klar, wie ich bin, auch im Moment, oder ihr geht, denn ich brauche nichts was mich immer wieder runterzieht sondern etwas das mich weiter aufbaut.

Das ist kein Vorwurf an euch, sondern einfach nur mal die Schilderung meines momentanen Empfindens und meiner Verfassung. Ich möchte das ihr mich versteht und mein Verhalten und Handeln akzeptiert. Ihr müsst mich auch nicht unterstützen, aber lasst mich bitte meinen Weg gehen. Das könnt ihr aber nur verstehen, wenn ich euch aus meiner Sicht erzähle, wie es in mir aussieht und was Äußerungen mit mir machen. 

Dein Entbindungstermin

Heute ist er also da, der 08.04.2018, der Tag an dem du das Licht der Welt erblicken solltest. Doch stattdessen hat von fast 8 Monaten dein Herz aufgehört zu schlagen. Ich werde diesen Moment nie vergessen, als es hieß, dass etwas nicht stimmt, dass dein Herz aufgehört hat zu schlagen. Warum werden wir nie erfahren, denn die Histologie besagte nur, dass alles in Ordnung war. So ganz glauben kann ich das auch heute noch nicht. Denn wäre alles in Ordnung gewesen, dann würdest du jetzt in meinen Armen liegen, würdest mich aus deinen vermutlich brauen Augen ansehn und deine Fingerchen um meinen Finger legen. Stattdessen blieb uns heute nur der Gang zu deinem Erdenbettchen, an dem wir dir eine Rose hinlegten. Heute ist es besonders schwer, diesen Tag zu genießen, die Sonne scheint, ich sitze auf dem Balkon und deine Schwester spielt im Garten. Sie schaukelt, baut Sandburgen und ist einfach fröhlich. Genau so solltest du auch in ein paar Jahren sein, doch das wird nie passieren. 

Ich empfinde es immer noch als ungerecht und nicht fair, dass du nicht bei uns sein darfst mein Engel, aber ich glaube dass ein Teil von dir immer bei uns ist. Ich glaube daran, dass in deinem Erdenbettchen nur deine äußerliche Hülle liegt und deine Seele bei uns geblieben ist. Überall wo wir sind bist auch du, denn in unseren Herzen bist du immer dabei. Wir werden dich niemals vergessen, denn du bist 50% Mama und 50% Papa, ein gravierender Teil von uns und unserem Leben. Wir werden niemals mit dir abschließen, so wie es viele Menschen von uns verlangen, denn du bist unser Kind, wenn auch nicht auf der Erde bei uns. Wie soll man sein Kind vergessen? Das ist absolut unmöglich. 

Wir lieben dich für immer und ewig und werden uns am Ende unseres Lebens wiedersehen, bis dahin begegnen wir uns in den Träumen und in Gedanken.